Glosse: Propaganda statt Diskurs

Tendenziöse Diskursrunden muss man sich nicht anhören. Von Katrin Krips-Schmidt

Als Talk über „Recht auf Leben und Selbstbestimmung“ und das „Werbeverbot“ für Abtreibungen angekündigt, entpuppte sich die ARD-Sendung „Anne Will“ am vergangenen Sonntag als Propaganda zur Komplettentsorgung von § 218. Stichwort: „Selbstbestimmung der Frau“. Das Lebensrecht des Kindes war kein Thema. Da konnte Philipp Amthor (CDU) angesichts einer Übermacht von fünf Feministinnen, inklusive der „Moderatorin“, nichts ausrichten. Seine Performance als Lebensschützer blieb schwach – so gab er, trotz mancher Klarstellungen, dem Quintett auffallend oft recht, auch er wolle „Selbstbestimmung“ für Frauen und nicht am „Konsens“ des § 218 rütteln. Der Jurist meinte sogar, ein „Abbruch“ sei „zulässig“ und ein von der Verfassung geschütztes Recht der Frau. Weshalb sind Männer zwecks Heischens nach Anerkennung so untertänig, wenn sie mit einer Handvoll eifernder Amazonen konfrontiert sind? Die Verlogenheit wurde vollends sichtbar, als man eine von Jens Spahn angeregte Studie über die psychischen Folgen der Abtreibung verwarf: Schließlich wisse man bereits, dass es da keinerlei Zusammenhang gebe. Ausgerechnet der Abtreibungsärztin Kristina Hänel blieb das letzte Wort. „Lebensschutz“, verkündete sie larmoyant, bedeute „die Frauen nicht alleinzulassen“. Muss man sich so etwas anhören? Um einer derart tendenziösen Diskursrunde den Anschein eines fairen Gesprächs zu geben, sollten sich seriöse Talkgäste als Feigenblatt doch zu schade sein. Seriöse Zuschauer eigentlich auch. Wieder etwas gelernt.