Glosse: Mit Greta das Klima retten

Schon Grönemeyer kannte die Parole: „Kinder an die Macht“. Von Burkhardt Gorissen

Geht es Ihnen auch so? Kinder, die Karriere machen, lösen zwiespältige Gefühle aus. Egal, ob es sich um Mozart oder gedrillte Eislaufprinzessinnen handelt. Weiß die junge Person trotz Begabung überhaupt, was sie tut? Will sie, was sie tut, oder tut sie, was man von ihr will? Dabei muss es nicht immer Kunst oder Sport sein. Mit Auftritten in Kattowitz und Davos ist die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg zur globalen „Klima-Ikone“ geworden. Das Mädchen mit dem Buster-Keaton-Gesicht und den braunen Pippi-Langstrumpf-Zöpfen, das unter dem Asperger-Syndrom leidet – einer Form von Autismus –, hat der Welt ins Gewissen geredet: „Ich will, dass Ihr in Panik geratet, dass Ihr die Angst spürt, die ich jeden Tag spüre.“ Den anwesenden Politikern und Wirtschaftsbossen gefiel der Auftritt. Gretas Mutter sicherlich auch: Malena Ernman ist Sopranistin. Als fünftletzte beim Eurovision Song Contest 2009 zwar grandios gescheitert, aber auf dem Rücken ihrer berühmten Tochter fluppt auch Muttis Karriere wieder. Ihr autobiografischer Schmöker „Szenen aus dem Herzen“ erreicht internationale Bestsellerränge. Dass Frau Ernman noch eine andere Tochter hat, die unter ADHS leidet, steigert die Sympathiewerte. Eine normale Familie. Irgendwie. Greta schwänzt jeden Freitag die Schule. Die Zahl der Nachahmer dieser Form von „Klima-Streik“ wächst. Grund zur Besorgnis? Schon Grönemeyer kannte die Parole: „Kinder an die Macht“.