Glosse: Im Auge des Hurrikans

Die „demografische Rendite“ aus dem Hut gezaubert: Je weniger Kinder, desto größer ihr ökonomischer Nutzen. Von Stefan Meetschen

Die demografische Entwicklung ist nicht schicksalhaft über uns hereingebrochen. Wir sind die Entwickler und entwickeln munter weiter. Und wohin entwickeln wir? In Richtung Graben.

Das klingt pessimistisch. Dabei kann es in einem Graben auch gemütlich hergehen. Wie im Auge eines Hurrikans. So zauberte unsere gewesene Familienministerin und siebenfache Mutter Ursula von der Leyen zu einer Zeit, als sich die „demografische Katastrophe“ in unser aller Bewusstsein festzusetzen begann, mit der Autorität ihres Amtes kurzerhand die „demografische Rendite“ aus dem Hut, die besagt: je weniger Kinder, desto größer ihr ökonomischer Nutzen. Dementsprechend fiel ihre Familienpolitik aus, und zwar so komplett, dass man UvdL nicht einmal vermisste, als sie sich gen Arbeits- und dann gen Verteidigungsministerium davongemacht hat. Politisch blieb sie sich allerdings immer treu: Geld, über das sie verfügt, gibt sie unter allen Umständen aus, und sei es für externe Berater. Oder für eine weitere Werbekampagne, um die Bundeswehr einmal mehr als familienfreundliche Arbeitgeberin mit Survival-Flair zu promoten, womit sich der Kreis auf wundersame Weise schließt. Denn nicht nur die demografische Rendite, sondern mit soldatischem Wagemut hat sie als bislang einzige einst auch eine „Trendwende“ bei den Geburten propagiert. Und sie hatte Recht: Im Auge des Hurrikans ist von Fachkräftemangel keine Spur.