Buxtehude

Glosse: Buxtehude will nicht

Letzte Woche durfte ich erleben, wie ein Ratsherr in Buxtehude, ehrenamtlich, für seine Überzeugungen unterging.

Maalula
Maalula: Mehrheitlich griechisch-orthodoxer Ort, wo seit den Tagen des Apostels Paulus Christen leben. Foto: Hurnaus

Kommunalpolitik ist ein hartes Brot, ich weiß das, mein Vater war CDU-Bürgermeister in Stuttgart für Familie, Gesundheit und Gedöns. Er war früh um sechs auf den Beinen und kehrte gegen 20 Uhr zurück. Er zitierte in seinen Reden Augustinus und war kirchenfromm, und als er einmal zuviel die autofreie Innenstadt forderte und das in der protestantischen Daimler-Stadt, ließ ihn seine Partei fallen. Aber er stand zu seinen Überzeugungen.

Letzte Woche durfte ich erleben, wie ein Ratsherr in Buxtehude, ehrenamtlich, für seine Überzeugungen unterging. Maik Julitz hatte dafür geworben, dass die „Hanse&Märchenstadt“ (Tourismuswerbung) im Alten Land in Niedersachsen mit einem älteren Städtchen in einem sehr viel älteren Land eine Städtepartnerschaft eingehen möge. Nämlich mit Maalula in Syrien, dem Kernort des Christentums im damaligen Galiläa, an dem der Völkerapostel Paulus wirkte und die Hl. Thekla begraben ist. Der älteste Altar der Christenheit steht dort, die umgewidmete Opferplatte eines Jupiter-Tempels, Ikonen, alles zerstört durch die Killer vom IS, die zudem sämtliche Kreuze abschlugen.

Letztes Jahr feierte Maalula, in dem Christen für ihren Glauben hingerichtet wurden, die Befreiung vom IS mit dem Fest der Kreuzeserhebung. Maik Julitz‘ Antrag wurde abgelehnt. Er beging zwei Fehler: Er erwähnte das Wort „Christen“, worauf der SPD-Ratsherr schäumte, dass die Fetzen flogen. Und, schlimmer noch: er ist Mitglied der AfD. Mit der darf nicht zusammengearbeitet werden, selbst wenn es nicht um politische, sondern religiöse Angelegenheiten geht. Schade. Julitz will aber weiterkämpfen für Wiederaufbau-Hilfe. Meinem Vater hätte soviel christliche Überzeugung vermutlich gefallen. Rückgrat kennt keine Parteigrenzen.