Würzburg

Gemeinsam für das Gute

Eine Mission, die Jugendliche auf der ganzen Welt vereint: Die World Youth Alliance setzt sich für die Würde des Menschen ein.

World Youth Alliance
Der Präsident der WYA, Lord Leomer B. Pomperada (li.), macht ein Selfie mit WYA-Mitgliedern auf dem „March for Life“ in Washington D.C. Foto: Pomperada

Die World Youth Alliance (WYA), gegründet 1999, ist etwas Einzigartiges. Wo sonst kämpfen junge Christen, Atheisten, Muslime und Buddhisten Seite an Seite für die Würde des Menschen? „So etwas wie die WYA habe ich niemals zuvor und auch nie wieder danach erlebt“, so Elisabeth Gudenus, regionale Leiterin für Europa.

Veränderung beginnt nicht im Parlament

Anna Gudenus, die sich für die WYA in Deutschland engagiert, erklärt, warum sie der Organisation beigetreten ist: „Die Würde des Menschen wird zunehmend von Themen wie zum Beispiel Abtreibung gefährdet. Wir haben eine gewisse Verantwortung gegenüber der Welt und unserer Gesellschaft. Da war mir einfach klar, ich muss etwas machen. Veränderung beginnt nicht im Parlament, sondern im persönlichen Leben. Wenn man standhaft in seinen Argumenten und seinem Wissen ist, dann kann man die Leute in seiner Umgebung überzeugen.“

Entstanden ist die WYA, weil die katholische Aktivistin Anna Halpine sich vor 21 Jahren während einer Konferenz der UN für die Menschenwürde eingesetzt hat. Die gebürtige Kanadierin studierte zu der Zeit Musik an der Mt. Allison University in Kanada und nahm eher zufällig an der UN Konferenz teil. Dort musste sie feststellen, dass eine Gruppe von 32 Jugendlichen im Namen aller Jugendlichen Abtreibung als Menschenrecht forderte und somit den Menschen auf seine sexuellen Fähigkeiten reduzierte. Anna fühlte sich gezwungen zu reagieren. Ihre Stellungnahme wurde von den Delegierten so positiv aufgenommen, dass sie aufgefordert wurde, eine permanente Präsenz bei den Vereinten Nationen einzurichten, um mit Jugendlichen aus der ganzen Welt zu arbeiten. Damit war der Grundstein für die WYA gelegt.

Grundlage ist ein katholisches Werteverständnis

In den „White Papers“ bezieht die WYA Stellung zu weltweiten Debatten, wie zum Beispiel zu Familienplanung, Abtreibung, Leihmutterschaft und Euthanasie. Die Argumente der World Youth Alliance stimmen hierbei stets mit der Lehre der römisch-katholischen Kirche überein. Dennoch ist die WYA keine katholische Organisation. Elisabeth Gudenus, regionale Leiterin für Europa, erklärt warum: „Halpine hat das damals genau so definiert, weil sie weg wollte von dem Klischee, dass man bestimmte Werte vertritt, nur weil man katholisch ist. Die Werte sind natürlich religiös fundiert, aber es wird nie auf religiöser Basis argumentiert.“ Die WYA verteidigt die Würde des Menschen stets auf der Basis der Menschenrechte. So ist die WYA zum Beispiel gegen Abtreibung, weil es die Würde der Frau und die des Kindes auf eine unveränderliche und endgültige Weise durch den Tod verletzt: „Abtreibung wird in keinem internationalen Menschenrechtsabkommen als Recht anerkannt, vielmehr wird es in keinem der Menschenrechtsabkommen erwähnt“ (Auszug aus dem Advocacy Teacher Training Manual).

Für Elisabeth Gudenus ist es klar, dass junge Leute egal welcher Herkunft verstehen sollen, dass es bei der Würde des Menschen nicht um einen „veralteten Wert der Kirche“ handelt, sondern um etwas, das universal jede Person hat. Je nach Land engagieren sich daher viele Jugendliche ohne christlichen Hintergrund. So sind es in Thailand hauptsächlich Buddhisten, im Nahen Osten Muslime und selbst in Europa hatte einer der regionalen Leiter keine Konfessionszugehörigkeit.

Würde des Menschen als Gesetzesgrundlage

Die World Youth Alliance hat einen genauen Zukunftstraum: Die Würde des Menschen soll als Grundlage bei der Umsetzung von Gesetzen dienen. Mittlerweile ist die World Youth Alliance überall auf der Welt vertreten und ist als civil society bei EU und UN fest eingeplant. Die Organisation bringt die jungen Mitglieder mit den Parlamentariern zusammen. Durch das persönliche Gespräch versuchen sie die Parlamentarier zu einem Umdenken zu bewegen. Um bei World Youth Alliance Mitglied zu werden, muss man zuerst das „Certified Trainingsprogramm“ (CTP) absolvieren. Hier werden sowohl Texte von Josef Pieper, C. S. Lewis und Gandhi, als auch Texte von verschiedenen Politikern und Philosophen, die sich mit der Menschenwürde auseinandergesetzt haben, gelesen.

Bei diesem Training werden die Jugendlichen durch die philosophisch anspruchsvollen Texte herausgefordert: „Hier werden viele Jugendliche aus ihrer Reserve gelockt“, so Elisabeth Gudenus. Von hoher Bedeutung ist das danach folgende „Advocacy Training“, denn letzten Endes ist es entscheidend, die rechtliche Situation genau zu kennen und zu lernen, wie man in einer Diskussion schlüssig und überzeugend argumentieren kann. Am letzten Tag dieses Trainings werden den Teilnehmern typische Fragen zu einem der Themen gestellt. Ein Beispiel: „Unterstützt du Abtreibung bei Gen-Störungen?“

Darauf lernen die Teilnehmer dann etwa folgende mögliche Antwort, die sie in einer Diskussion nutzen können: „Ich fühle mit allen Eltern, die die Nachricht erhalten haben, dass ihr ungeborenes Kind genetische Probleme hat, nichtsdestotrotz verletzt Abtreibung die Würde des gezeugten Kindes und ändert nichts daran, dass jede Person ab dem Moment der Empfängnis eine innere Würde hat. Die Zerstörung menschlichen Lebens ist immer eine schwere Verletzung der Würde der Person“ (Auszug aus dem Advocacy Teacher Training Manual). Anna Gudenus bestätigt, dass die WYA ihr das nötige Wissen gibt, um eine Veränderung zielsicher anzustreben.

Eine rationale Gegenkraft zu Ideologien aufbauen

Das Besondere an der World Youth Alliance ist, dass sie im Namen der Würde des Menschen Jugendliche von verschiedenen Konfessionen, Hintergründen und Ländern zusammenbringt. In Europa boomt die World Youth Alliance gerade. In den letzten vier Jahren ist sie enorm gewachsen und vor allem in Osteuropa ist die Nachfrage so groß, dass die WYA Europa in Kroatien ein zweites Büro eröffnen konnte.

Auf die Frage nach der Relevanz der WYA erklärt Elisabeth Gudenus, dass man als Jugendlicher gerade heutzutage immerzu in Diskussionen um Abtreibung, Leihmutterschaft, Euthanasie oder ähnliche Themen gerät, die die Würde des Menschen in Frage stellen. Oftmals hat man keine überzeugenden Argumente, um die Menschenwürde zu verteidigen oder fühlt sich machtlos und alleine in dem Kampf. Die WYA bietet mit ihrem Programm Jugendlichen die Chance, überzeugend für etwas einzustehen, das in unserer Zeit absolut notwendig ist. Es ist die Chance, eine rationale Gegenkraft aufzubauen gegen einen ideologisch immer umfassender auftretenden Staat.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe hier .