Fussball-EM: Anpfiff

Wer auch immer den acht Kilogramm schweren, „Coupe Henri Delaunay“ morgen aus den Händen von UEFA-Präsident Michel Platini entgegennehmen und in den Wiener Abendhimmel recken wird, wird eines sicher nicht ausrufen: „Da ist das Ding!“ Der legendäre Satz, mit dem der Titan Oliver Kahn die „Salatschüssel“ – wie die Trophäe des Deutschen Meisters genannt wird – den Fans zu präsentieren pflegte, wird wohl weder dem deutschen Kapitän Michael Ballack, noch seinem spanischen Gegenüber Iker Casillas auf die Lippen kommen. Dabei wäre das hier durchaus angebracht. Denn der von einer Londoner Juwelierfirma aus Sterling-Silber gefertigte sechzig Zentimeter hohe Pokal ist schon ein „merkwürdig Ding“. Als Wanderpokal konzipiert, muss er vom Sieger zur nächsten Europameisterschaft wieder mitgebracht werden. Selbst wer die nach dem ersten UEFA-Generalsekretär Henri Delaunay benannte 30 700 Euro teure Trophäe dreimal hintereinander oder fünfmal insgesamt erringt, erhält nur eine originalgetreue Kopie. Alle anderen müssen sich mit Nachbildungen begnügen, die mindestens ein Fünftel kleiner zu sein haben als das Original. Deutschland würde nach den Jahren 1972, 1980 und 1996 selbst ein Sieg im morgigen Finale nicht reichen, um eine originalgetreue Kopie zu erhalten. Spanien, das den Pokal erst einmal, nämlich 1964, erobern konnte, schon gar nicht. Doch da noch kein Land häufiger Europameister wurde als Deutschland – selbst Italien und Frankreich gewannen die EM jeweils nur zweimal – wäre es aus übergeordneten Gründen wichtig, wenn Deutschland diesmal – und 2012 dann gleich noch einmal – den Sieg davontrüge. Dann könnte die UEFA statt einer Kopie doch das Original herschenken und einen neuen Pokal spendieren. Zwar ist auch der jetzige gerade erst neu gefertigt worden. Nur eben leider nicht „in schön“. Und es wäre doch tragisch, wenn sich einer der Finalisten, nachdem er den Pokal aus der Nähe gesehen hat – so wie Titelverteidiger Griechenland, das deswegen schon in der Vorrunde ausschied – plötzlich entschlösse, das „Ding“ nicht mehr haben zu wollen. reh