Fussball–EM: Anpfiff

Eigentlich ist die Schwalbe in unseren Breiten gerne gesehen. Und weil eine Schwalbe bekanntlich noch keinen Sommer macht, sehen wir es natürlich am liebsten, wenn diese posierlichen Tierchen gleich in Schwärmen auftauchen. Damit unterscheiden wir uns jedoch signifikant von den Schiedsrichtern der Euro 2008. Die haben für Schwalben auf dem grünen Rasen in etwa soviel übrig, wie Denkmalschützer für Tauben. Entsprechend angewiesen von der Uefa, wollen sie bei der Euro 2008 hart gegen das Vogelvieh durchgreifen. Durch Zeigen einer gelben Karte sollen Schwalben, sobald sie auf dem Grün gesichtet werden, in die Schranken gewiesen werden. Was auf den ersten Blick – liebe Damen – reichlich herzlos wirkt, ist bei genauerer Beobachtung leicht verständlich. Denn in letzter Zeit haben die Schwalben, die sich im Verlauf eines Fußballspiels mit Vorliebe im Strafraum oder an der Grenze zu diesem urplötzlich niederlassen, einfach Überhand genommen. Ganze Spiele sind so schon entschieden worden; an Fallbeispielen herrscht also kein Mangel. Nicht wenige Schwalben tragen Namen. Namen, die denen großer Ballkünstler bis auf den letzten Buchstaben gleichen. So hören schon legendäre Schwalben auf Namen wie Andi Möller (auch „Schwalben-Möller“ genannt) oder auf Jürgen Klinsmann. Dabei stammen Schwalben keineswegs nur aus Deutschland. Gelingt einer Schwalbe mehrfach das Kunststück, unbedrängt im Sechszehn-Meterraum abzuheben, um dann nach einer kurzen Flugeinlage eine theatralische Landung hinzulegen, wird das Federvieh auch schon einmal zum „Schwalbenkönig“ ausgerufen. Einer dieser so geadelten Schwalben konnte auch bei der Euro 2008 schon gesichtet werden. Sie stammt aus Portugal, lebt aber derzeit in Großbritannien und hört auf den Namen des derzeit wohl weltbesten Fußballers: Christiano Ronaldo. Abgehoben ist sie noch nicht. Was in diesem Fall nur eines bedeuten kann: Die Anweisung der Uefa zeigt bereits präventive Wirkung. Und sollte es dabei bleiben, dann steht einer großartigen Europameisterschaft nun wirklich nichts mehr im Wege. reh