Würzburg

Für den Ruhm, der nicht vergeht

Shelly Pennefather gewann als Basketballspielerin Trophäen und Pokale. Als das Leben als Sportstar sie nicht mehr ausfüllte, fand sie den wahren Sinn des Lebens im Kloster.

Shelly Pennefather alias Sr. Rose Marie
Erkennbare Freude: Shelly Pennefather alias Sr. Rose Marie.IN/ESPN Foto: Foto:

Obwohl sie ihre Karriere vor fast dreißig Jahren beendete, ist Shelly Pennefather noch immer ein Basketball-Phänomen. Sie hält mit 2 408 Punkten die beste Torquote der Villanova-Universität, mit 1 171 auch den Rebound-Rekord. Sie war dreimal die Big East-Spielerin des Jahres, 1987 sogar Nationalspielerin des Jahres. Sie wurde in die„Philadelphia Women's Big Five Hall of Fame“ aufgenommen und war Gewinnerin der prestigeträchtigen „Wade Trophy“, der seit 1978 jährlich vergebenen Ehrung für die beste Basketball-Spielerin der US-amerikanischen College-Liga NCAA.

„Sie konnte Guard, Forward und Center spielen“, schwärmt Harry Perretta von dem 1,85-Meter großen Supertalent. „Sie war intelligent, konnte werfen und mit dem Ball umgehen, einfach alles. Sie war die beste All-round-Spielerin.“ Perretta weiß, wovon er spricht. Er hat hunderte Talente trainiert. Als er 1978 im Alter von 22 Jahren eingestellt wurde, war er der jüngste Trainer, der jemals ein Uni-Team geleitet hat.

Shelly Pennefather sorgt für Jubelstürme

Die Villanova Universität, benannt nach dem Heiligen Thomas von Villanova, ist die älteste katholische Hochschule in Pennsylvania. Mit 9 535 Studenten und 545 Professoren ist sie auch die größte. Als Shelly Pennefather für Jubelstürme sorgte, war Basketball noch nicht ganz zur Zirkusnummer verkommen, wie heute, wo es um die abgefahrenste Show geht, weil das die besten Quoten bringt. Aufgewachsen in einer gläubigen Familie besuchte die Athletin schon als Studentin jeden Tag die Heilige Messe. „Sie hat ihre Frömmigkeit nie verheimlicht“, sagt Lynn Tighe, ihre ehemalige Teamkameradin.

Nach dem College verdiente die aufstrebende Basketballerin beim japanischen Profi-Team „Nippon Express“ 100 000 Dollar pro Saison. Geld und Ruhm trösteten allerdings nicht über ihr Heimweh hinweg. Sie nahm sich vor, wenn sie es mit ihrem Team schaffte, durch eine gute Platzierung die zweimonatige Extra-Spielzeit zu umgehen, würde sie zuhause ehrenamtlich arbeiten. Tatsächlich wurde die Mannschaft nach holperigem Start Dritter. Zurück in den Staaten opferte sie ihre Zeit in einer Suppenküche bei den „Missionary Sisters of Charity“ in Norristown auf. Für sie der Himmel auf Erden. Als sie vertragsgemäß nach Japan zurückkehrte, kam auch die Einsamkeit wieder. Shelly Pennefather las viel, lernte Japanisch und unterrichtete Englisch. Die Leere blieb. Nicht das, was der Buddhismus als Leerheit charakterisiert, sondern ein tiefgreifender Wandlungsprozess, von Johannes vom Kreuz als „Dunkle Nacht der Seele“ bezeichnet. „Sie war gezwungen, in die Einsamkeit zu gehen“, berichtet John Heisler, ein Freund aus Kindertagen, über ihre Zeit in Japan, „Es gab sonst niemanden, nur sie und Gott.“

Die Mühe wird belohnt

Der mühsame Gang durch die Abgründe des Zweifels wird belohnt. „Ich lebe, aber nicht ich. Christus lebt in mir“, nannte Mutter Teresa in ihrem heiligen Pragmatismus den Ausweg aus solchen Krisen. Deren Beichtvater, Pater John Hardon, traf die groß gewachsene Basketballerin nach Abschluss der zweiten Saison bei den „Missionary Sisters of Charity“, wo sie in der Sommerpause wieder ehrenamtliche Arbeit leistete. Im Kloster kehrte ihre Lebensfreude zurück.

„Als die Äbtissin krank wurde“, schreibt Sportbuchautor Alexander Wolff in seiner Anekdoten-Sammlung „Big Game, Small World: A Basketball Adventure“, „besuchte Mutter Teresa selbst das Krankenhaus.“ Als sie die hochaufgeschossene Basketballspielerin am Bett sah, staunte die kleine große Heilige: „Du brauchst einen großen Sari, um dich einzupacken“ – ahnte sie etwas vom Kampf der jungen Frau? Ihre Berufung muss Pennefather da schon gespürt haben. Ein letztes Mal kehrte die erfolgsverwöhnte Sportlerin nach Japan zurück. „Wenn sie sich entschieden hätte, für eine fünfte Spielzeit zurückzukehren, hätte sie 200 000 Dollar verdient, eine Summe, die sie zur bestbezahlten Frauenspielerin der Welt gemacht hätte“, schreibt Wolff.

Danach strebte sie nicht. Im Hinterkopf das neue Leben, das auf sie wartete, ging sie ihr letztes Spiel bewusst an. Noch einmal das Raunen der Zuschauer, wenn sie einen Sidestep macht. Noch einmal das rhythmische Klatschen, Füßetrampeln, die johlenden Gesänge. Sie zieht das Tempo an, zieht an zwei Verteidigern vorbei. Hysterische Schreie. Noch ein Haken, noch eine Körpertäuschung, kurz Aufschauen. Dann netzt sie ein. Die Halle dröhnt. Papierfetzen fliegen. Stille.

„Spiritualität – das ist der gelebte Glaube im Alltag, die Klangfarbe des Lebens in der Gegenwart des lebendigen Gottes“, sagt die deutsche Internetseite der Klarissinnen. Stillwerden in Gott. Poesie des Glaubens, die Welt in Gebete kleiden, nicht urteilen, nicht richten, beten.

Es gibt nur einen Erretter: Jesus Christus

Wir kennen das Maß nicht, es gibt nur einen Erretter, Jesus Christus. Die Zeitläufe, die Dinge, die durch die Zeitläufe aufscheinen, folgen nicht menschlichem Willen. Das Heilige spricht durch die Stille. Zunächst zögerlich, bald aber mit klar bewusstem Blick und in wachsendem Jubel der Erwählung. Warum, um Gottes Willen, lässt ein Basketballstar den Ruhm einfach sausen, fragten ihre Teamkolleginnen? Warum legt eine der bestbezahlten Basketballspielerinnen der Welt das Gelübde der ewigen Armut ab? Warum schließt sich eine aktive, junge Frau einem Orden an, der sie verpflichtet, ihre Familie nur ein paar Mal im Jahr durch eine Glasscheibe zu sehen und sie nur alle 25 Jahre einmal zu umarmen? Genau, um Gottes Willen, „Vater, denn nicht mein Wille geschehe, sondern deiner“.

Am 8. Juni 1991, einem sommerlich warmen Samstagmorgen, verabschiedet sich Shelly Pennefather noch einmal liebevoll von ihrer Familie und fährt ihren Mazda 323 zum Klarissinnen-Kloster in Alexandria, Virginia. Sie ist immer gern gefahren. Am liebsten schnell und weit. In dem Moment, als sie den Motor abstellt, startet sie in ein neues Leben. Hinter ihr liegt die laute Leere der Welt, Pyrrhussiege und rasch welkender Lorbeer. Vor ihr die Fülle in Gott. Das beseligende „Amen“. Erlösung.

Nach einem Jahr Postulat und zwei Jahren Noviziat erfolgte 1994 die erste Profess. Drei Jahre später, am 6. Juni 1997, die Feierliche Profess jener Frau, die als Shelly Pennefather Furore machte und nun als Magd des Herrn im Orden der „Armen Klarissinnen von Maria, der Mutter der Kirche“, Schwester Rose Marie heißt. Am 21. Juni, zwei Wochen nachdem sie die Ewigen Gelübde abgelegt hatte, begann die erste Saison der „Women's National Basketball Association“, der ersten Frauenbasketball-Profiliga in den USA. Sichtlich beeindruckt stellte ihre Ex-Teamkameradin Lynn Tighe fest: „Sie tut das, wozu sie berufen wurde. Wir sollten alle so glücklich sein.“

Am Pfingstfest im vergangenen Juni gab es ein Wiedersehen. Der „Catholic Herald“ berichtete vom Treffen der mehr als 120 Freunde und Familienmitglieder, die freudig erleben durften, wie Schwester Rose Marie nach 25 Jahren ihr feierliches Gelübde erneuerte. Die Heilige Messe feierte Bischof Michael F. Burbidge. „Ich bin sicher“, sagte er in seiner Predigt, „dass wir am Ende dieser Zeremonie alle sagen können: ,Es gibt keinen Zweifel, dass der Heilige Geist heute unter uns war‘.“