Friedhofsfrevel in Köln

Skulptur von jüdischer Begräbnisstätte gestohlen

Köln (DT/hoe) Nur wenige Tage nach dem Gedenken an die Reichspogromnacht vom 9. November 1938 sind bislang unbekannte Täter auf den Jüdischen Friedhof im Kölner Stadtteil Bocklemünd eingebrochen und haben eine wertvolle Bronzeskulptur gestohlen. Die Synagogen-Gemeinde Köln zeigte sich „sehr bestürzt über diese frevelhafte Tat“, die sich zudem noch am Volkstrauertag ereignete. 4 000 Euro hat die Synagogen-Gemeinde für die Aufklärung des Verbrechens ausgesetzt.

Laut Polizei hatten die Täter am Hintereingang des Friedhofs zwei Tore aufgebrochen, um dann mit einem Last- oder Lieferwagen auf das Gelände zu gelangen und die rund 750 Kilogramm schwere, 2,80 Meter hohe sowie 1,20 Meter breite Skulptur von ihrem Sockel zu flexen. Die Skulptur des Kölner Bildhauers Franz Lipensky erinnert an Ritualgegenstände, die am Tag nach dem Novemberpogrom von 1938 gerettet und vergraben wurden. Nachdem sie im Jahr 1978 bei Bauarbeiten zufällig entdeckt worden waren, fanden sie nach jüdischem Ritus wieder auf dem Friedhof ihre Heimat.

Vermutlich ist das Mahnmal gezielt von Kupferdieben gestohlen worden, ein antisemitischer Hintergrund ist aber nicht auszuschließen. Laut Staatsanwaltschaft werde in alle Richtungen ermittelt. Über eine Zunahme von Straftaten mit antisemitischem Hintergrund in der Stadt Köln, in der es im Oktober zwei derartig motivierte Vorfälle gegeben hat, ist dem ermittelnden Staatsanwalt allerdings nichts bekannt.

Dem schließt sich auch die Synagogen-Gemeinde an. Antisemitisch motivierte Taten gegen Gemeindemitglieder seien nicht bekannt. Hannelore Bartscherer, Vorsitzende des Katholikenausschusses, fragt jedoch angesichts dieses „schändlichen Ereignisses: Können wir das so selbstverständlich hinnehmen?“ Es sei aus ihrer Sicht ohnehin ein strafrechtlich relevanter Kulturverfall auf Friedhöfen zu beobachten, der die Frage aufwirft: „Haben die Täter keine Ehrfurcht vor den Lebenden und den Toten?“