Tschenstochau

Forrest Morosini

Eine Altenpflege-Messe ist nix für Emma Morosini. Die 95-jährige Italienerin pilgert seit einer wundersamen Heilung zu den Heiligen Stätten der Christenheit.

Italienerin Emma Morosini, die eine einsame Pilgerreise nach Jasna Góra unternahm
„Die 95-jährige Italienerin Emma Morosini, die eine einsame Pilgerreise nach #JasnaGóra unternahm, besiegte circa eintausend Kilometer und ist schon am Ziel“, twittert @JasnaGoraNews am 21. August 2019. Foto: @JasnaGoraNews

Am Mittwoch vergangener Woche ist Emma Morosini, die vermutlich älteste Pilgerin Italiens, nach 1 100 Kilometern Fußmarsch im polnischen Marienwallfahrtsort Tschenstochau eingetroffen. Begrüßt wurde die „Großmutter der Pilger“, die über sich sagt, dass sie ohne Eile wandere, weil sie ja alleine sei und niemand auf sie warte, von Pater Marian Waligóra im Kloster von Jasna Góra, inmitten von Czêstochowa (Tschenstochau). Mit ihrem hohen Alter, ihrem liebenswürdigen, faltigen Gesicht und ihrer unbeirrbaren Entschlossenheit, ihren Weg zu gehen, erinnert Morosini ein wenig an die Schildkröte aus Michael Endes Kinderbuch-Klassiker „Momo“. Ganz so unauffällig wie die Romanfigur Kassiopeia ist sie aber doch nicht unterwegs, denn Morosini trägt eine orangefarbene Warnweste, Rosenkranz, Pilgerstab und einen hellen Hut. Seitdem sie achtzig Jahre geworden ist, verzichtet sie auf einen Rucksack und zieht einen Trolley hinter sich her. Nur das Nötigste führt sie bei sich. Statt Smartphone nutzt sie ein altes Handy. Von Sponsoring hält sie nicht viel.

Emma Morosini
Die „Großmutter der Pilger“ Emma Morosini bei ihrer Ankunft in Tschenstochau. Foto: @JasnaGoraNews

Vor 28 Jahren ein Gelübde abgelegt

Vor einer schweren Operation hatte Emma Morosini vor 28 Jahren ein Gelübde abgelegt. Sie würde auf Pilgerschaft gehen, und für junge Menschen und Familien beten. Dieses Anliegen vertraute sie der Mutter Gottes an. Morosini überlebte. Die damals 67-Jährige war nach ihrer OP so rüstig, dass sie ihren Entschluss auch umsetzte. Jedes Jahr wollte Morosini zu den Heiligen Stätten der Christenheit laufen. Auf diese Weise hat die pensionierte Krankenschwester in den letzten drei Jahrzehnten laut katholisch.de 30 000 Kilometer zurückgelegt. Die Italienerin aus Castiglione delle Stiviere pilgerte nach Santiago, Jerusalem, Lourdes, Fatima, Aparecida in Brasilien, Monterey zur Jungfrau von Guadalupe in Mexiko und im März 2015 zum Heiligtum der Jungfrau von Luján, der Patronin Argentiniens. Im Heimatland von Papst Franziskus sollen ihr Tausende gefolgt sein – ein bisschen so wie im Film „Forrest Gump“. Morosini bete um Frieden in der Welt und für junge Menschen. Das legte ihr auch Papst Franziskus ans Herz. „Geh voran, Emma, geh deinen Weg“, hat der Papst zu der außergewöhnlichen Frau gesagt. Er umarmte sie, segnete sie und bat sie, nicht aufzuhören, immer für die Jugendlichen, die Familien und die Kranken zu beten. Morosini fasste Franziskus an der Hand und flüsterte ihm zu: „Danke, vielen Dank.“

In vierzig Tagen fast 1000 Kilometer gelaufen

Letztes Jahr soll Morosini in nur vierzig Tagen sogar 917 Kilometer gelaufen sein. „Ich gehe alleine und bete mit einem Karren, in dem ich Brot und Wasser aufbewahre“, sagt sie. Unterwegs trifft sie immer viele wunderbare Menschen, die sich dafür entscheiden, einen Abschnitt des Weges mit ihr zu gehen. Als Unterkünfte dienen ihr Pfarreien, Privathäuser oder Pensionen. Sobald Morosini müde wird, hält sie an und schaut sich um. Irgendetwas findet sie immer, sagt sie. Sie vertraut auf Gott und auf die spontane Gastfreundschaft derer, die sie aufnehmen oder ihr Reiseproviant schenken.

So war es auch auf ihrer diesjährigen Reise nach Tschenstochau, wo Morosini in St. Andrä im Lavanttal in Kärnten an die Tür des „Hauses Elisabeth“ klopfte. Aufgemacht haben ihr drei Caritas-Mitarbeiterinnen Michaela Perchtold, Mathilde Slamanig und Martina Gutscher. Letztere konnte Italienisch, denn Morosini spricht kein Deutsch. „Solange die Beine mich tragen, reise ich weiter“, sagt sie. Morosini trägt die ganze Welt im Gebet. Im Übrigen glaube sie, „dass es immer nötig ist, der Madonna Danke zu sagen“.