Echte Pilger dürfen qualmen

Die Klostergaststätte Kreuzberg und das bayerische Rauchverbot

Kloster Kreuzberg (DT/KNA) Vom staatlich verordneten Nichtraucherschutz ist Bruder Johannes Matthias Tumpach alles andere als begeistert. Stinksauer ist er. Der Franziskaner lebt auf dem unterfränkischen Kreuzberg und zündet sich selbst gern eine dicke Zigarre an. Früher konnte der Chef der höchstgelegenen Klostergaststätte Bayerns dies in den Gasträumen tun, heute muss er vor die Tür. Eine „Entmündigung des Volkes“ sei das schärfste Rauchverbot Deutschlands, schimpft der Bruder. Die Zigarettenautomaten auf dem Kreuzberg in der Rhön sind schon abmontiert.

Der Klosterwirt befürchtet Einbußen für seine Gaststätte, in der das berühmte Kreuzbergbier ausgeschenkt wird. Raucher träfen sich bald nur noch zu Hause im Partykeller oder auf der Terrasse, prophezeit er. Etwa ein Drittel der Gaststättenbesucher seien Tabakkonsumenten. Wieviele davon wegbleiben, kann er noch nicht abschätzen. Dafür hört der Franziskaner schon die ersten Beschwerden: „Gäste, die in der Kälte draußen rauchen, sagen mir: Wir sterben nicht an Lungenkrebs, sondern an Lungenentzündung.“

Auch von anderem Unbill weiß Tumpach zu berichten. Manch einer stört sich nun an Ausdünstungen, die der Qualm früher großzügig überdeckte, zum Beispiel von Wanderern und Ausflüglern, die mit ihren Hunden ins Wirtshaus auf Frankens heiligem Berg kommen. Vor dem Start der Biergartensaison im Frühjahr graust es ihm. Dann werde es noch schwerer, qualmende Gäste auf dem Weg zur Selbstbedienungsschänke an der Tür zu stoppen. Als nächstes werde der Gesetzgeber den Genuss von zu viel Bier verbieten, ereifert sich Tumpach. Oder Alkohol gleich ganz und gar. Selbst der Weihrauch in der Kirche sei in Zeiten wie diesen nicht mehr sicher, meint der Franziskaner. Schließlich sei auch das Rauch, der ja schädlich sein und süchtig machende Substanzen enthalten könnte.

Angesichts der harschen Vorschriften sieht der fromme Mann nur noch eine Chance für Nikotinfreunde auf dem Kreuzberg: eine Wallfahrt. Die Pilgergruppen sitzen in der Gaststätte meist in einem eigenen Raum und sind somit eine geschlossene Gesellschaft. „Der Wallfahrtsführer entscheidet, ob geraucht wird oder nicht“, erklärt Bruder Johannes Matthias. „Ich lasse mir das dann aber zur Absicherung schriftlich geben.“ Ist eine Raucher-Wallfahrt in die Rhön nur noch eine Frage der Zeit? Ganz so einfach sei es nicht, sagt der Ordensmann. Schließlich sei für das Pilgern der „christliche Gedanke“ zentral, dazu gehöre auch ein eigener Gottesdienst. Und den bekommt nicht jede Kleingruppe so einfach auf dem Kreuzberg, versichert er. Das wäre dann doch zu viel Entgegenkommen.