Die dunklen Strategien der Agenten

Das International Spy Museum in Washington widmet sich der Spionage und Gegenspionage

Washington (DT) Die geheimnisvolle Welt der Spionage übt noch immer eine große Faszination aus. Denn es waren oft Einzelkämpfer mit doppelter Identität, die dem gegnerischen Lager unter hohem Risiko wertvolle Informationen zuspielten. Aus ihrer Sicht wollten sie dem „Guten“ zum Sieg verhelfen und waren bereit, dafür Verrat zu begehen. In der Sowjetunion und in der DDR hießen die eigenen Geheimagenten „Kundschafter“, während die des Feindes kriminelle „Spione“ waren. Und auch die westlichen Geheimdienstler galten nicht als Spione, sondern haben als weltgewandte Geheimagenten eher das Image von Diplomaten. Spielfilme haben dieses Image des heldenhaften Agenten geprägt. James Bond lässt grüßen.

Das International Spy Museum in Washington ist das erste öffentliche Museum in den Vereinigten Staaten, das sich voll und ganz dem Thema Spionage und Gegenspionage gewidmet hat. Mit einem Hauch von Gruselkabinett. Mehr als 600 Ausstellungsstücke vermitteln einen Eindruck vom Spionagehandwerk vergangener und heutiger Zeit. Man erfährt alles über Missionen, Techniken und Strategien. Ausstellungsstücke aus dem Amerikanischen Bürgerkrieg oder dem Kalten Krieg lassen die Besucher hinter die Kulissen gucken und strengst gehütete Geheimnisse knacken. An das Museum angeschlossen sind ein Museumsladen mit allen möglichen Spionageartikeln, ein Café und das Restaurant „Zola“.

Eine Enigma-Codierungsmaschine, Minox-Kameras, ausfaltbare Stasi-Einbrechertaschen und die Nachbildung eines CIA-Tunnels unter der ehemaligen Berliner Mauer – im Spionagemuseum kommt der deutsche Anteil an der Geschichte der Geheimdienste nicht zu kurz. Der Eigenwerbung zufolge gibt es hier die weltweit größte Sammlung an Spionageartikeln. Dem Besucher soll alles geboten werden, was er von der geheimen Welt der Spionage erwartet. Neben kleinen Kameras, die im Ersten Weltkrieg Tauben umgebunden wurden, um Luftbilder von den Stellungen des Gegners zu erhalten, ist der berüchtigte bulgarische Giftpatronen-Regenschirm zu sehen, mit dem der KGB im Westen Dissidenten tötete. Ähnlich tödlich war die als „Todeskuss“ bezeichnete Lippenstiftpistole, die dem CIA an der innerdeutschen Grenze in die Hände fiel.

Ein ganzer Raum ist den Bemühungen der Alliierten gewidmet, den Code der deutschen Enigma-Maschine zu brechen. Wer die schreibmaschinengroße Enigma nicht nur bestaunen will, dem bietet die interaktive Ausstellung auch die Möglichkeit, seine eigenen Fähigkeiten als Codebrecher zu testen.

Überhaupt legen die Macher des Spy Museums (im Gegensatz zu den anderen Museen in Washington wird hier Eintritt verlangt – 18 Dollar für den Erwachsenen), zu dessen Beraterstab gestandene Geheimdienstler von der CIA und sogar ein ehemaliger KGB-Offizier gehören, großen Wert auf interaktive Beteiligungsmöglichkeiten für Besucher. Zu den weiteren Höhepunkten des Museums nur eine Straße vom FBI-Hauptquartier entfernt gehört der Nachbau eines Bunkers im geheimen amerikanischen Labor Los Alamos, wo die amerikanische Atombombe entwickelt wurde. Die Ausstellung schildert die sowjetischen Spionagebemühungen, das Geheimnis der Atombombe zu lüften. Auf die Explosion einer russischen Atombombe folgt der Kalte Krieg und damit eine Hochkonjunktur für das Spionagegeschäft, die sich für die Museumsmacher am Ost-West-Knotenpunkt Berlin kristallisiert.

Geheimdienste sind Werkzeuge des Konflikts. Und ob wir wollen oder nicht, die Geschichte politisch-militärischer Konflikte ist keineswegs vorbei. Die Herausforderung für die Nachrichtendienste besteht somit heute wie immer schon darin, sich den neuen Konflikten anzupassen. Also an Quellen heran- und mit den gewonnenen Informationen wieder wegzukommen.