Würzburg

"Das ist mit diesem Papst nicht zu machen"

Baumwünsche und Gebete um Berufungen, Kenia und die Krise der Kirche in Deutschland: Ein Gespräch mit Fürstin Gloria von Thurn und Taxis aus Anlass ihres 60. Geburtstages.

Gloria von Thurn und Taxis aus Anlass zum 60.Geburtstag
Wünscht sich Bäume zu ihrem Geburtstag, um einen Zukunftswald zu pflanzen: Fürstin Gloria von Thurn und Taxis. Foto: Armin Weigel (dpa)

Durchlaucht, was wünschen Sie sich zum Geburtstag?

Einen Baum! Wir pflanzen nämlich einen Zukunftswald auf einer Fläche bei Donaustauf, wo letztes Jahr der Sturm und der Borkenkäfer ganz schlimm gewütet haben. Dort wollen wir 28 verschiedene klimaresistente Baumarten pflanzen. Jeder der einen Baum spendet, bekommt eine wunderschöne handsignierte Urkunde, auf der die Baumart, das Datum und der Name des Spenders verbrieft wird. Gute Idee oder?

Wie verbringen Sie Ihren Festtag?

Mit einer kleinen Festmesse im Kreis der Kinder, die ich unterstütze. Mitten in einem kleinen Dorf in der Nähe, wo ich mein Winterquartier am Indischen Ozean in Kenia bezogen habe.

Sie feiern Ihren Geburtstag in ihrer Wahlheimat Kenia. Was fasziniert Sie an diesem Land? 

Eigentlich ist es der Indische Ozean, der mich wegen des Wassersports nach Kenia gezogen hat. Das die Menschen hier so offen und nett sind, kam als zusätzliches Geschenk mit. Die katholische Gemeinde in meinem Dorf am Meer ist sehr aktiv, und ich war sofort integriert, so dass ich mich schnell zu Hause fühlen konnte.

"Die deutsche Kirche ist spendabel und Rom braucht dringend Geld, aber kaufen kann man den Papst wohl doch nicht"
Gloria von Thurn und Taxis

Wie lesen Sie das neueste Schreiben von Papst Franziskus "Querida Amazonia"

Der Papst hatte ja schon im Vorfeld einen ausführlichen Brief an die deutschen Bischöfe gesendet, wo drin stand, was er sich wünscht. Es wurde kolportiert, dass man sich über den Inhalt des Briefes geärgert habe und eine Dissimulations-Strategie gewählt hat. Man wollte das einfach ignorieren und Fakten schaffen. Das ist offensichtlich mit diesem Papst nicht zu machen. Sicherlich, die deutsche Kirche ist spendabel und Rom braucht dringend Geld, aber kaufen kann man den Papst wohl doch nicht.

Der Papst ruft darin zum Gebet für Priesterberufungen auf. Kennen Sie Orte, an denen das noch glaubwürdig praktiziert wird? 

Also ich selber bete natürlich täglich für Priester und Priesterberufungen, aber mein Eindruck ist, dass das in Deutschland gar nicht wirklich gewollt wird. Man möchte bei uns das evangelische Modell nachahmen, obwohl unsere Glaubensschwestern einen noch viel größeren Exodus ihrer Gemeinden erleiden wie unsere  Kirche. 

Es ist komplett unverständlich, wieso man auf Abbruchstrategien setzt und sich dann über Leute ärgert, die hier Absicht erkennen wollen.

Die Situation der Kirche in Deutschland ist derzeit ziemlich angespannt. Wann haben Sie zuletzt einen "katholischen Lichtblick" erlebt? 

Bei uns in Regensburg ist die Welt noch in Ordnung. Wir haben einen guten Bischof, unser Priesterseminar wird exzellent geführt und der Klerus ist katholisch.

"Ich rate zum Gebet für den Weltfrieden und die Kirche, die Gottesmutter ist die beste Mittlerin dafür"
Gloria von Thurn und Taxis

Sie sind überzeugte Katholikin. Hand aufs Herz: Welcher Stil des Katholizismus liegt Ihnen mehr: der deutsche oder der kenianische? 

Also das Getanzte in der Kirche ist für mich Ausdruck von Kolonialismus. Die Afrikaner haben nämlich eine angeborene Sensibilität für Zeremonie und Rituale. Das Tanzen haben ihnen hier die Italiener beigebracht. Ich selbst mag den Novus Ordo und die Tridentinische Messe und empfinde es als große Bereicherung, dass der alte Ritus nicht mehr das ungeliebte Kind seiner Kirche ist. Dank Papst Benedikts Motu Proprio. Übrigens hat auch Papst Franziskus nichts gegen die alte Messe. Er versteht nur nicht, wieso die jungen Priester das wieder klasse finden.

Viele traditionsverbundene Gläubige sind derzeit ratlos. Was raten Sie ihnen? Was gibt Ihnen persönlich Halt in der aktuellen Kirchenkrise? 

Die Kirche wurde seit ihrer Stiftung zu allen Zeiten massiv bekämpft. Unsere Aufgabe ist, für sie zu beten. Nur der Allmächtige weiß, warum er jeden von uns in diese Zeit gestellt hat und was unsere Aufgabe ist. Es gab wesentlich schlimmere Zeiten und daher dürfen wir dankbar sein, dass wir in Frieden leben dürfen. Das kann alles ganz schnell vorbei sein. Deshalb rate ich zum Gebet für den Weltfrieden und die Kirche, die Gottesmutter ist die beste Mittlerin dafür.

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