Würzburg

Corona-Isolation: „Mein Leben ist geborgen in Gott“

Viele Menschen müssen aktuell wegen des Corona-Virus in häuslicher Isolation leben, nicht selten ganz allein. Die Erfahrung von Betroffenen zeigt, wie diese herausfordernde Zeit aus dem Glauben heraus auch zu einer Zeit des Segens werden kann.

„Beten hilft“
Die Erfahrung von Betroffenen zeigt: Wer in diesen Tagen in Quarantäne leben muss, kann im Gebet Halt und Trost finden. Foto: Adobe Stock

Ich nutze die Zeit für mehr Gebet, für das Ordnen von Akten in der Prälatur und für das Lesen.“ Pater Pius Maurer OCist ist Abt des Zisterzienserstiftes von Lilienfeld. Wegen Kontakt zu einem an Corona erkrankten Mann muss er noch bis Sonntag in Quarantäne bleiben. Die Gemeinschaft mit den Mitbrüdern fehle ihm zwar sehr. „Ich füge mich aber ganz in die Gebetsgemeinschaft mit den vielen ein, die derzeit zu Hause beten oder über moderne Medien die heilige Messe mitfeiern. Mir ist diese Gebetsgemeinschaft sehr wichtig“, berichtet der Abt aus der Isolation heraus. Vor allem an die, die „ihm seelsorglich anvertraut sind“, denke er in diesen Tagen besonders.

„ER, der selbst das Kreuz getragen hat, extrem gelitten hat
und einen furchtbaren Tod gestorben ist,
ER ist uns bleibt uns in jeder Situation – tröstend,
stärkend, aufbauend – nahe“
Abt Pius Maurer OCist

Die ganze Situation tue ihm weh: die vielen Erkrankten weltweit, die Überlastung der Gesundheitssysteme, die Einsamkeit der Erkrankten und Sterbenden. „Wir sehen hier wieder einmal: Unsere Welt ist nicht das Paradies, sondern sehr verletzlich.“ Was man in dieser Zeit, „in der Sorgen und Hiobsbotschaften dominieren“ tun könne? „Die behördlichen Vorschriften alle beachten und fest beten“, so Abt Pius. „Ich glaube sehr daran und weiß es auch aus Erfahrung: Das Gebet kann sehr viel bewirken.“ Denn in der Nähe Gottes kann der Mensch Geborgenheit finden, daran möchte der Abt erinnern: „Inmitten aller Schwierigkeiten dieser Welt lässt Gott uns nicht allein. ER, der selbst das Kreuz getragen hat, extrem gelitten hat und einen furchtbaren Tod gestorben ist, ER ist uns bleibt uns in jeder Situation – tröstend, stärkend, aufbauend – nahe.“

„Mein Leben ist geborgen in Gott. Ganz gleich,
wie der weitere Verlauf ist.
Das ist eine Gewissheit, die jetzt
ganz stark Mut macht und mich begleitet“
Lothar Krauss

Von dieser Erfahrung berichtet auch Lothar Krauss. Der freikirchliche Pastor ist schon seit Ende Februar mit seiner Frau in Quarantäne. „Die Ungewissheit, ob wir infiziert sind, hat uns beschäftigt, aber nicht beunruhigt“, erzählt er. „Wir wissen, dass ,dunkle Täler‘ zum Leben gehören. Aber wir wissen auch, dass die Zusage steht, dass ER mit uns durch das dunkle Tal geht. Das hat uns von Beginn an getröstet und sehr zuversichtlich gemacht.“ Am 11. März kam schließlich das Ergebnis des Corona-Testes. Während bei seiner Frau keine Infektion festgestellt wurde, lautete das Testergebnis für den Pastor selbst „Corona-positiv“, die Quarantäne wurde bis Ende März verlängert. Fast einen ganzen Monat muss das Ehepaar Krauss also zu Hause verbringen. Die Symptome seien alle sehr milde bei ihm, so Krauss. „Gelegentlich tauchen Sorgen auf. Besonders im Blick auf die Risikogruppen und die Frage, ob ich eine Gefahr für sie bin. Die Isolation ist deshalb sehr wichtig und gut“ Die sozialen Kontakte vermisse er trotzdem. Auf seinem „Leiterblog“ – Krauss ist bundesweit als Experte für die Gemeindeleitung und Pastorencoach bekannt – berichtet er täglich von seinen Erfahrungen aus der Isolation. Die Gelassenheit, mit der er die Situation annimmt, überrascht viele. Sein Geheimnis? „Ich erlebe, wie mich das Gebet, die Bibel und Gespräche mit Mitchristen tragen. Auch davon zu sprechen, wie ich Gott in dieser Zeit erfahre, tut gut. Mein Leben ist geborgen in Gott. Ganz gleich, wie der weitere Verlauf ist. Das ist eine Gewissheit, die jetzt ganz stark Mut macht und mich begleitet.“

„Beten hilft. Es beruhigt unseren Geist und auch die Nerven.
Beten hilft, die Dinge des Lebens klarer zu sehen“
Markus Bugnyár

Gebet – das ist es, was betroffene Christen in der Zeit der Isolation ganz besonders zu tragen scheint. Auch Markus Bugnyár, der Rektor des österreichischen Pilgerhospizes in Jerusalem, schreibt: „Beten hilft. Es beruhigt unseren Geist und auch die Nerven. Beten hilft, die Dinge des Lebens klarer zu sehen.“ Nach der Rückkehr von einem Heimatbesuch musste der österreichische Priester zwei Wochen in Quarantäne verbringen. Daran hat er sich gehalten. Nicht nur, weil er das trotz absoluter Symptomfreiheit für sinnvoll hielt und keinen seiner Freunde und Mitarbeiter beunruhigen wollte, sondern auch, weil in Israel bei Nichtbeachtung der Regelung eine mehrjährige Haftstrafe droht. Das habe seiner Motivation, das durchzuziehen, sicher auch geholfen. Das Schmunzeln, das man aus diesen Zeilen liest, weicht jedoch schnell, wenn Bugnyár weiterberichtet: „Und dann werden Menschen durchaus ermuntert, ihre Nachbarn und Kollegen ,zu melden‘, die sich nicht daran halten.“ „Wohlgemerkt, mir geht es nicht darum, sinnvolle Vorschriften in Frage zu stellen“, sagt er zu seiner Kritik an diesem Zustand. „Mir macht bloß Angst, was ein Virus aus unserer Gesellschaft machen kann, in der sich Hysterie mit hartnäckiger Ignoranz paart. Nachdenken, Mitdenken, Widersprüche erkennen, Augenmaß wahren, cool bleiben – alles ausgesetzt. Ich frage mich, wie manche Menschen in ein paar Wochen zu ihrer alten Freundschaft zurückkehren wollen. Denn das werden wir müssen, wenn wir nicht vorhaben sollten zu sterben.“

Von der Absage von heiligen Messen hält Bugnyár nichts. „Menschen müssen die Chance haben, gerade in dieser Zeit, das Wort Gottes zu hören und das Opfer Christi zu feiern.“ Mehr als 100 Leute seien eh selten. „Und der Friedensgruß per handshake mit zum Teil völlig Unbekannten kann getrost entfallen. Entschuldigen Sie sich lieber bei Ihrem Nachbar oder Angehörigen. Das geht auch am Telefon und bringt mehr.“ Ob die Corona-Krise auch eine Chance für eher „glaubensferne“ Menschen sein könne, wieder zu Gott zu finden? „In jenem Sinne, dass Viele Wesentliches von Unwesentlichem wieder unterscheiden lernen könnten“, meint Bugnyár. „Und das Wesentlichste unseres Lebens ist Gott.“

„Diese Zeit wird enden und Du wirst sagen,
dass sie nicht nutzlos war“
Johannes Hartl

Ganz konkrete Tipps für die Gestaltung der Zeit zu Hause liefert Johannes Hartl. Der Leiter des Augsburger Gebetshauses musste selbst Ende Februar einige Tage in häuslicher Isolation verbringen. Zwei Wochen in Quarantäne hält er für durchaus herausfordernd. „Das ist belastender als man sich vielleicht vorstellen kann. Ich hab einen Vorgeschmack bekommen und fand es sehr unangenehm“, postete er auf Facebook. Hilfreich sei für diesen Fall „selbst auferlegte Struktur“. „Sich Hängenlassen“ sei „der sichere Weg in Kraftlosigkeit und Depression“. Die 20 Anregungen, die Hartl gibt, sollen helfen, die „Quarantänezeit“ zu einer „Kraftzeit“ werden zu lassen. Ein fester Schlafrhythmus und Tagesplan, Sport, anspruchsvolle Lektüre statt überbordendem Videokonsum, Skypen mit Freunden („Sei ehrlich, nicht stark!“), Ordnung und Sauberkeit, eine Stunde „Stille Zeit“ und eine Stunde Bibellektüre, etwas Kreatives lernen – das empfiehlt Hartl unter anderem als äußere Maßnahmen. Er gibt jedoch auch Tipps für den Umgang mit den eigenen Stimmungen, für die Entwicklung einer geeigneten Herzenshaltung. „Lebe genau EINEN Tag“, „Mach eine Dankbarkeit-Liste“, „Traue deinen eigenen Gedanken nicht, wenn es in dir tobt“, „Gott hält Deine Wut, Enttäuschung, Einsamkeit… aus. Bring sie ihm“, rät er. Und schließlich: „Diese Zeit wird enden und Du wirst sagen, dass sie nicht nutzlos war.“ Vielleicht gilt Hartls zwanzigster Tipp ja nicht nur für die individuelle Quarantänezeit, sondern auch für die gesamte Corona-Krise.

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