Würzburg

Cascina San Benedetto

Die "Benedikt-Option" ins tatsächliche Leben umsetzen: Im Umland von Mailand wollen katholische Familien ein von benediktinischer Spiritualität inspiriertes Wohnprojekt gründen.

Ein gezeichnetes Bild des heiligen Benedikt
Ein gezeichnetes Bild des heiligen Benedikt verweist auf das innovative Wohnprojekt junger Familien bei Mailand. Foto: Giovanni Zennaro

Glaube lebt von Gemeinschaft – davon ist der Webdesigner, Familienvater und Benediktiner-Oblate Giovanni Zennaro überzeugt. Der für postmoderne Lebenswirklichkeiten charakteristische radikale Individualismus bedingt nicht nur eine Fragmentierung und Ent-Solidarisierung der Gesellschaft mit unabsehbaren sozialen Kosten, sondern erschwert es insbesondere auch Christen, ihren Glauben intensiv zu leben und authentisch und glaubwürdig an die nächste Generation weiterzugeben.

Daher, so meint Zennaro, seien Christen in besonderem Maße dazu berufen, neue Wege zu entdecken, um die verlorengegangene „soziale Gewohnheit des Lebens in Gemeinschaft“ neu zu beleben – sowohl im eigenen Interesse als auch aus Verantwortung für die Gesellschaft: „Ich denke, wir Christen haben die Aufgabe, unter uns eine andere Qualität von Gemeinschaft zu praktizieren – und diese der Welt zu zeigen.“

Aus diesen Erwägungen heraus hat Zennaro mit einigen Gleichgesinnten ein Wohnprojekt für Familien konzipiert, das er „Cascina San Benedetto“ – „Haus St. Benedikt“ – nennt. Mit einem Zitat aus der Ordensregel des Hl. Benedikt beschreibt er seine Vision als eine „Schule für den Dienst am Herrn“: einen Ort, an dem mehrere Familien eng zusammenleben, ihren Tagesablauf nach dem Vorbild benediktinischer Klöster durch gemeinsames Gebet und gemeinsame Mahlzeiten strukturieren und partielle Gütergemeinschaft praktizieren, um sich so gegenseitig im Glauben zu stärken und in praktischen Belangen des alltäglichen Lebens zu unterstützen.

„Ich denke, es wird zunehmend wichtig für uns Christen, eine spezifische Lebensweise zu kultivieren, die derjenigen der ersten christlichen Gemeinden ähnelt“, erklärt Giovanni Zennaro. „Wir werden Räume benötigen, in denen der Glaube in jeder Handlung des alltäglichen Lebens sichtbar zum Ausdruck kommt.“ Ein „Kloster für Familien“ soll es sein, das darauf ausgerichtet ist, „die typischen Aufgaben eines Klosters zu erfüllen: Gebet, Unterricht, körperliche Arbeit, Gastfreundschaft“.

Familien verwirklichen die "Benedikt-Option"

Die augenfälligen Gemeinsamkeiten zwischen diesem Konzept und den Thesen von Rod Drehers auch in Italien vieldiskutiertem Buch „Die Benedikt-Option“ sind keineswegs zufällig; Dreher ist seit einigen Jahren mit der Familie Zennaro befreundet. In seinem Blog lobt er das Projekt „Cascina San Benedetto“ als „exakt das, wovon ich beim Schreiben der ,Benedikt-Option‘ geträumt habe“ und als ein „konkretes Beispiel engagierter junger christlicher Familien, deren höchstes Ziel es ist, Gott zu dienen und ihre Kinder in einer gläubigen Gemeinschaft aufzuziehen, und die so die Benedikt-Option verwirklichen. Lasst Euch davon ermutigen!“

Wie sowohl Dreher als auch Zennaro betonen, geht es bei diesem Modell christlichen Gemeinschaftslebens keineswegs um einen als Rückzug in ein Ghetto, um größtmögliche Abschottung gegenüber der nichtchristlichen Umwelt. Ganz im Gegenteil soll eine intensive Gemeinschaft der Gläubigen untereinander auch ein evangelisierendes Zeugnis nach außen sein und die Mitglieder der Kommunität dazu befähigen, „umso besser als wahre Christen in der ,Welt da draußen, zu leben“.

Zennaro verweist auf die Worte Jesu aus Matthäus 5,13 – „Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen?“ – und merkt an: „Wir brauchen Orte, an denen wir unsere ,Salzigkeit‘ erhalten können; wo wir fortwährend den charakteristischen Geschmack des christlichen Lebens verspüren. Wenn wir diesen Geschmack nicht zunächst in uns selbst bewahren, können wir ihn auch nicht der Welt anbieten.“ Aus diesem Grund ist – abermals nach dem Vorbild benediktinischer Klöster – die Beherbergung von Gästen ein bedeutender Bestandteil des Konzepts der „Cascina San Benedetto“: „So wie wir in den Klöstern Gastfreundschaft erleben, so wollen auch wir, dass unser Haus ein Ort ist, der für alle offen ist: für diejenigen, die mit der Zeit unsere Lebensweise teilen wollen, für diejenigen, die an unserer Freundschaft in Christus teilhaben wollen, indem sie sich uns zu den Gebetszeiten anschließen, und für diejenigen, die uns einfach besuchen wollen“.

Gemeinschaft sucht noch einen Ort für das Projekt

Außerdem planen die Initiatoren die Einrichtung einer eigenen Schule für ihre Kinder, damit diese „eine Ausbildung erhalten, die vollständig im Glauben und in der Morallehre der katholischen Kirche verankert ist“. Ein solches Modell kleiner, von den Eltern der Schüler geführter Gemeinschaftsschulen ist, wie Zennaro betont, in der italienischen Verfassung ausdrücklich vorgesehen.

Als Standort für die „Cascina San Benedetto“ ist nach dem derzeitigen Stand der Planung ein kleiner, landwirtschaftlich geprägter Ort unweit von Mailand vorgesehen, wo Giovanni Zennaro mit seiner Frau Alice und drei Kindern schon jetzt lebt. Die Nähe zur Metropole würde es denjenigen Mitgliedern der Kommunität, die in Mailand arbeiten, ermöglichen, ihre bisherige Berufstätigkeit zumindest vorläufig beizubehalten. Als Alternative steht allerdings die Möglichkeit im Raum, sich in der Nachbarschaft einer Benediktinerabtei anzusiedeln; der Vorteil dieser Variante bestünde nach Zennaros Worten in der Möglichkeit, „in täglichem Kontakt zu den Mönchen zu stehen, an ihrer Liturgie teilzunehmen und sie in die Bildung und Erziehung unserer Kinder einzubeziehen“.

Tatsächlich wurde den Initiatoren der „Cascina San Benedetto“ von einer Gemeinschaft benediktinischer Mönche genau dieser Vorschlag unterbreitet. Allerdings liegt die betreffende Abtei an einem so abgelegenen Ort, dass ein Umzug dorthin den Gemeinschaftsbegründern abverlangen würde, ihre bisherigen Arbeitsstellen aufzugeben. „Wir wüssten nicht, wie wir dort unseren Lebensunterhalt verdienen sollten“, sagt Zennaro.