Burmas Junta lässt Hilfe ins Land

Tausende Tote und schwere Verwüstungen durch einen Wirbelsturm – Familien haben Hab und Gut verloren

Rangun (DT) Hoffnung keimt auf nach dem verheerenden Wirbelsturm „Nargis“, der weite Teile Burmas verwüstete. Hoffnung, weil die international geächtete Militärregierung des südostasiatischen Landes nach anfänglichem Zögern nun Hilfe aus aller Welt ins Land lässt. Hoffnung aber auch, dass diese Bereitschaft zur Zusammenarbeit trotz bürokratischer Hemmnisse ein erstes Zeichen sein könnte, dass die seit 46 Jahren regierende Junta sich allmählich aus der selbstgewählten Isolierung befreit. Nach dem schrecklichen Tsunami zu Weihnachten 2004 hatte die Militärregierung noch internationale Hilfe abgelehnt.

Auch damals waren die Erwartungen groß, dass die von der Flut verwüsteten Länder ihre innenpolitischen Auseinandersetzungen um das Wohl der Menschen willen hintan stellen würden. Es gab Teilerfolge, wie in Indonesien, aber auch schwere Rückschläge wie in Sri Lanka, dem früheren Ceylon.

Die Millionen-Metropole Rangun liegt im Zentrum einer tiefen Schneise der Verwüstung. Noch kann niemand sagen, wie viele Menschen der Katastrophe zum Op-fer gefallen sind. Und wie viele hätten vor dem Tod bewahrt werden können, wenn das nationale Katastrophenmanagement funktioniert hätte. Wie es heißt, hätten viele Menschen erst von ausländischen Sendern wie Radio Free Asia und Voice of America von den Sturmwarnungen erfahren.

Es wird noch Wochen dauern, bis das ganze Ausmaß der Katastrophe zu über-sehen ist. Bis Redaktionsschluss war von über 20 000 Menschen die Rede, die der Zyklon in den Tod gerissen hat. Doppelt so viele werden noch vermisst, Hunderttausende sollen obdachlos geworden sein. Insbesondere das Irrawaddy-Delta soll schwer betroffen worden sein. Das Delta des Flusses ist eine der fruchtbarsten Regionen des Landes, wo sich viele Reis-Silos befinden sollen. Die Militärjunta hat in fünf Regionen den Notstand ausgerufen. Neben Rangun und Irrawaddy sind dies Bago sowie die Bundesstaaten Mon und Karen.

Die Verwüstungen von „Nargis“ könnten nach Angaben einer Hilfsorganisation schlimmer sein als nach dem Tsunami im indischen Ozean im Jahre 2004. Die betroffenen Regionen in Burma, dem heutigen Myanmar, seien übersät von Leichen, berichtete die Hilfsorganisation World Vision nach einem Hubschrauberflug. Obwohl es nach wie vor schwierig ist, in das Land zu gelangen, ist erste Hilfe eingetroffen. Militärmaschinen fliegen tonnenweise Hilfsgüter ein. Die Regierung hat besonders um Baumaterial für Dächer, um Tabletten zum Reinigen von Wasser, um Medikamente und Moskitonetze gebeten.

Die Vereinten Nationen mobilisierten nach Angaben von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon ein Experten-Team zur Ein-schätzung der Lage. Auch Burmas engster Verbündeter, die Volksrepublik China, sagte dem Land schnelle Hilfe zu. Präsident Hu Jintao sagte, als „guter Nachbar“ werde China den Wiederaufbau in Burma unterstützen. Indien hat zwei Marineschiffe mit Hilfsgütern in das benachbarte Land entsandt. Indien arbeitet besonders im Energiesektor mit dem international geächteten Regime in Burma zusammen.

Vor allem die vielen tausend Obdachlosen und Verletzten bräuchten jetzt rasche Hilfe, erklärte Außenminister Frank-Walter Steienmeier. „Ich appelliere an die Militärregierung in Myanmar, im Interesse der notleidenden Bevölkerung eine effektive Hilfsoperation zu ermöglichen und mit den internationalen Hilfsorganisationen zusammenzuarbeiten,“ betont der deutsche Außenminister. Die Bundesregierung überweist 500 000 Euro an Soforthilfe. Die EU-Kommission forderte die Junta auf, die Helfer besser zu unterstützen und die Einreise nicht zu erschweren.

Die Malteser verstärken ihre Hilfe; die Organisation stellt insgesamt 50 000 Euro für Nothilfe zur Verfügung. Caritas International unterstützt die Nothilfe der Malteser mit weiteren 50 000 Euro.

Die Deutsche Welthungerhilfe in Bonn war fieberhaft bemüht, Kontakt zu ihren Mitarbeitern vor Ort aufzunehmen. Telefonate brachen nach kurzer Zeit wieder zusammen. Erst nach mehreren Anläufen standen die Leitungen. Die Organisation ist seit mehreren Jahren in Burma aktiv. Schwerpunkte sind dabei die Nahrungsmittelhilfe, Wasserversorgung und verschiedene Maßnahmen zur Verbesserung der Infrastruktur.

Die Hilfsorganisation World Vision be-reitet von Rangun und der thailändischen Hauptstadt Bangkok aus die Erstversorgung von 250 000 Sturmopfern an der Westküste und in der Mitte des Landes vor. Familien sollen zunächst mit Trinkwasser, Zelten, Kerzen und Abdeckfolien versorgt werden. Einsatzleiter Belete Temesgen: „Viele Opfer sind notdürftig in Schulgebäuden untergebracht. In einer Schule, die ich besucht habe, hausen derzeit etwa 5 000 Männer, Frauen und Kinder auf engstem Raum.“ Das größte Problem ist der Zusammenbruch von Kommunikation und Stromversorgung. Die Helfer vor Ort sind vor allem wegen des Mangels an Trinkwasser besorgt. „Wir brauchen dringend Trinkwasser-Aufbereitungsanlagen, wie sie beim Tsunami eingesetzt worden sind“, beschreibt Temes-gen die Situation.

Angesichts des verheerenden Ausmaßes der Katastrophe stößt das Festhalten der Junta an dem für Sonntag geplanten Ver-fassungsreferendum international auf Unverständnis. Die Regierung solle sich vor-rangig um die Versorgung der Bürger kümmern, fordern ausländische Diplomaten.