Beim Namen genannt

Beim Namen genannt

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki (Foto: dpa) äußerte sich in der Zeitschrift „Stern“ erschrocken über die Lage in der Türkei. Er sei in den ersten Jahren durchaus beeindruckt von Erdogan gewesen, „wie er sein Land als religiöser Mensch, aber auch als Freund der Demokratie umzubauen wagte und ,Gerechtigkeit und Fortschritt‘ zum Programm machte“. Als Christ seien für Woelki nicht nur Frieden, sondern auch Freiheit, Gerechtigkeit und Demokratie Werte, für die er sich einsetze: „Über Jahrhunderte mussten wir Christen lernen, dass religiöse Gebote oder der Wille eines Regenten alleine nicht ausreichen, um ein gerechtes und florierendes Staatswesen zu erhalten.“ Woelki fragt: „Sollten sich in diesem Punkt Christentum und Islam so sehr unterscheiden? Oder sind es gar nicht die Gebote des Glaubens, die die herrschende türkische Politik bestimmen?“ Christen und Muslime seien dem einen und wahren Gott verpflichtet, so Woelki in seinem Gastbeitrag. „Wo nämlich Barmherzigkeit fehlt und allein Rache und Vergeltung herrschen, wird die Wahrheit zum Albtraum und so zu einer Lüge gegen den gnädigen und barmherzigen Gott.“

Sebastian Kurz (ÖVP), Österreichs Außenminister, kritisierte die Demonstranten, die nach dem Putsch in der Türkei für Erdogan durch Wiens Straßen zogen. „Wer sich in der türkischen Innenpolitik engagieren will, dem steht es frei, unser Land zu verlassen“, sagte er gegenüber der österreichischen Nachrichtenagentur „APA“.