Beim Namen genannt

Beim Namen genannt
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Beim Namen genannt
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Der Münsteraner Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide (Foto: dpa) ruft dazu auf, im Islam stärker zwischen Glauben und Meinen zu unterscheiden. Auch Mohammed habe eine klare Trennlinie gezogen „zwischen dem, was er als Gottes Gesandter verkündete, und dem, was er als seine Meinung vortrug“, schrieb Khorchide für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Mohammed habe deutlich unterschieden zwischen seinen Rollen als Gesandter und Verkünder einer göttlichen Botschaft und ethischer Prinzipien in Mekka sowie als „Staatsoberhaupt“ und Gründer eines „Rechtsstaates“ in Medina. Dabei verweist Khorchide auf die „für einen säkular zu verstehenden Islam heute wichtige Anmerkung“ Mohammeds, die er so zitierte: „Ich bin nur ein Mensch. Wenn ich hinsichtlich eurer Religion etwas anordne, so befolgt es. Wenn ich euch jedoch etwas aufgrund meiner Meinung anordne, so bin ich nur ein Mensch. Ihr kennt euch besser aus in euren irdischen Angelegenheiten als ich.“ Dagegen, so Khorchide, betrachteten viele islamische Gelehrte heute die Bemühungen Mohammeds in seiner Funktion als Staatsoberhaupt als Teil seiner göttlichen Verkündung. Alle juristischen Regelungen und die gesamte Gesellschaftsordnung in Medina inklusive der Geschlechterrollen erschienen daher als „kontextunabhängige, verbindliche göttliche Gesetzgebung, der alle Muslime unterliegen“. Dieses Verständnis aber blockiere jeden Versuch, die juristische Ordnung weiterzuentwickeln und zwinge jeden Muslim, rückwärtsgerichtet zu denken.