Beim Namen genannt

Beim Namen genannt

Für Ruth Pfau (Foto: Rudolf Walter), die heute 85 Jahre alt wird, ist Helfen Lebenssinn: Die deutsche Nonne und Ärztin lebt seit 54 Jahren in Pakistan. Sie hat die dort grassierende Lepra in den Griff bekommen und vor wenigen Jahren noch ein Programm für Behinderte, in Pakistan die Ärmsten der Armen, ins Leben gerufen. Sie hat unerschütterlich, inmitten von Gewalt und Hass, Zeugnis für den Frieden abgegeben. Ruth Pfau ist Brückenbauerin zwischen den Welten: zwischen Deutschland und Pakistan, Muslimen und Christen, zwischen Menschen guten Willens hierzulande und den Menschen in einem der gefährlichsten Länder der Welt. Sechzig Prozent des Etats ihrer Arbeit finanzieren sich immer noch über Spenden und Hilfen aus dem deutschsprachigen Raum. Die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) nahm von Anfang an Anteil an dem Wirken von Ruth Pfau. Diese hat vor kurzem in einem aufrüttelnden Buch Zeugnis von ihrem Glauben gegeben: „Leben ist anders“. Heute wird Ruth Pfau 85 Jahre alt. Ihre Mitarbeiter lassen es sich nicht nehmen, ihr ein Fest in der Klinik in Karachi auszurichten. Sie haben die Räume mit Papiergirlanden geschmückt und Blütenblätter gestreut. Mitarbeiter werden – unvorstellbar sonst im islamistischen Pakistan – nacheinander aus den heiligen Büchern lesen, dem Koran, aus der Gita und aus der Bibel. Es wird Reden geben. Auch eine Delegation des DAHW aus Würzburg zählt zu den Gratulanten. Ruth Pfau wird sich über die Ehre und die Zuneigung freuen. Aber sie wird auch ungeduldig auf ihrem Stuhl hin und herrutschen. Sie weiß, es gibt draußen Menschen, die leiden. Und denen sie helfen könnte. RW