Beim Namen genannt

Beim Namen genannt

Boris Pahor (100), slowenisch-italienischer Schriftsteller, will mit seinem Werk den „Erniedrigten und Beleidigten“ eine Stimme geben. „Ich habe mich erst dem italienischen Faschismus widersetzt, dann gegen die Nationalsozialisten gekämpft und mich dann mit der kommunistischen Diktatur in Slowenien auseinandergesetzt“, sagte Pahor (Foto: dpa) der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Sein ganzes Leben lang habe er für Freiheit und Demokratie „gestritten und gekämpft“. Heute lebten die Menschen in einer „Diktatur des Kapitals“, so Pahor weiter. Diesem Zustand müsse man etwas entgegensetzen, „was meiner Meinung nach das Wesen des Menschen ausmacht: seine je eigene Kunst und Kultur“. Mit Blick auf die Geschichte sagte der Schriftsteller, der unter anderem die Konzentrationslager Dachau und Bergen-Belsen überlebte, die Gräueltaten hätten nach dem Fall Hitler-Deutschlands nicht abgenommen. Die erste Nachricht, die er nach der Befreiung aus der KZ-Haft mitbekommen habe, sei der Atombombenabwurf in Japan gewesen. „Sie werden vielleicht verstehen, dass es mir schwerfällt, an einen personalen Gott zu glauben“, so Pahor. Falls Gott existiere, „hätte er doch eine andere Welt erschaffen können, eine Welt ohne Opfer und ohne all diese menschlichen Kadaver“, so der Autor, dessen jüngste Veröffentlichung „Das rote Dreieck“ über das Schicksal der politischen KZ-Häftlinge in den nächsten Monaten erscheinen soll. „Ich kann mir eine solche Welt vorstellen. Und wenn ich sie mir vorstellen kann, warum konnte Gott sie nicht erschaffen?“ Pahor feiert im August seinen 101. Geburtstag.