Beim Namen genannt

Beim Namen genannt

Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising, sieht einen aggressiven Atheismus in Teilen der Gesellschaft. Es gebe in Europa eine Tendenz, „Religion als etwas Vormodernes, Unruhestiftendes wahrzunehmen“, sagte Marx der Zeitung „Die Welt“ (Montag). Dies führe zu Versuchen, Religion aus dem öffentlichen Leben herauszuhalten. Dabei sei Religion weder eine Bedrohung für die Gesellschaft noch unvernünftig, „sondern eine Quelle des Friedens, der Entwicklung, ja auch des Fortschritts, wenn man ihn nicht nur materiell definiert“, so Marx. Kirchenvertreter sollten offensiver auftreten und weniger über einen schwindenden Einfluss der Religion klagen. „Wir müssen deutlicher machen, dass wir eine positive Botschaft zu verkünden haben.“ Als Beispiel verwies der Erzbischof auf die Abtreibungsdebatte. Hier solle Kirche „für das Leben“ anstatt „gegen Abtreibung“ argumentieren. Nach Ansicht des Kardinals setzt die Globalisierung den deutschen Sozialstaat unter Druck. Zwar sei die Lage in Deutschland keineswegs katastrophal, aber „prekäre Arbeitsverhältnisse“ und „Verhärtungen beim Thema Armut“ ließen ihn nicht kalt. Im bevorstehenden Wahljahr müsse die Kirche der Politik klar machen, „dass die, die unten sind, die Geringqualifizierten, Schwachen, Kranken, am dringendsten Hilfe brauchen“. Mit Blick auf die Wirtschaftskrise prangerte Marx eine wachsende Staatsverschuldung an. Das sei der Kern der Krise. Der Sozialethiker sprach von einem „großen Sündenfall“. Dieser resultiere aus einer „Ideologie des fraglos vorausgesetzten permanenten Wachstums“.