Beim Namen genannt

Richard von Weizsäcker (91, Foto: dpa), von 1984 bis 1994 Bundespräsident, ist von der polnischen Tageszeitung „Gazeta Wyborcza“ zum „Mann des Jahres“ gekürt worden. Weizsäcker ist „für uns das Vorbild eines Politikers, der Christ ist“, schrieb die größte polnische Qualitätszeitung am Dienstag auf ihrer Titelseite. Er sei ein deutscher Patriot, konsequenter Demokrat und ein Europäer, der eine Synthese des Nationalen mit dem Universellen verkörpere. Ausdrücklich würdigte das Blatt auch Weizsäckers Beitrag zur deutsch-polnischen Versöhnung. Für den erkrankten Weizsäcker nahm am Dienstag der deutsche Botschafter in Polen, Rüdiger Freiherr von Fritsch, die Auszeichnung in Warschau entgegen. Der CDU-Politiker Weizsäcker erklärte in einem Interview der Zeitung, der notwendige Aufbau guter nachbarschaftlicher Beziehungen zu Polen sei für ihn ein Antrieb gewesen, in die Politik zu gehen.

Avischai Margalit (72), israelischer Sozialphilosoph und Publizist, hat am Dienstag den mit 50 000 Euro dotierten Leopold-Lucas-Preis der Universität Tübingen erhalten. Im Zentrum von Margalits Denken steht die an den politischen Realitäten orientierte Idee einer anständigen Gesellschaft. Charakteristisch dafür ist, dass Schwächere nicht durch staatliche Institutionen erniedrigt, gedemütigt oder entwürdigt werden. Zugleich entwickelte Margalit Kriterien, mit denen tragfähige von faulen Kompromissen unterschieden werden können. Bis zu seiner Emeritierung lehrte Margalit Philosophie an der Hebräischen Universität von Jerusalem. Seitdem arbeitet er am Institute for Advanced Study in Princeton.