Bald 50 Millionen Kinderbibeln verteilt

Projekt von „Kirche in Not“ in 172 Sprachen. Von Jutta Hajek

Unter den Bäumen Sambias: Schüler mit Bibelposter und Kinderbibel in der Diözese Livingstone. Foto: Kirche in Not
Unter den Bäumen Sambias: Schüler mit Bibelposter und Kinderbibel in der Diözese Livingstone. Foto: Kirche in Not

Königstein (DT) Voraussichtlich im zweiten Quartal 2012 ist es so weit. Kirche in Not (KIN) wird die 50 Millionste Kinderbibel ausgeben. Wo und in welcher Sprache, weiß noch niemand. Doch die Vorbereitungen für dieses Ereignis laufen. Das 1947 vom niederländischen „Speckpater“ Werenfried van Straaten gegründete Werk interagiert mit Gebern und bedrängten Christen in 140 Ländern.

Steckt man den Kopf zur Tür herein, fällt der Blick auf die langen Regale mit den kleinen, roten Bibeln. „Kommen Sie herein!“, ruft Maria Zurowski, Leiterin der Abteilung Familienpastoral in der internationalen Zentrale von KIN in Königstein im Taunus. Telefone klingeln; Besucher aus der ganzen Welt schauen vorbei. Maria Zurowski und ihre Mitarbeiterinnen nehmen Anfragen von Bischöfen, Priestern und Ordensleuten entgegen. In 172 Sprachen gibt es die kleine Bibel mit dem Titel „Gott spricht zu seinen Kindern“. 17 Nationalbüros in Europa, Nord- und Südamerika sowie Australien nehmen Spenden entgegen und betreuen die Wohltäter vor Ort. Die Abteilung Familienpastoral leistet Projekt- und Verlagsarbeit. Neben der Kinderbibel versorgt sie Diözesen mit dem Kleinen Katholischen Katechismus (29 Sprachen), Gebetsbüchlein und Postern mit Bibelszenen. In Sambia, zum Beispiel, findet Schule im Schatten großer Bäume statt. Poster veranschaulichen die Bibelgeschichten für Kinder, die nicht lesen und schreiben können. Viele Kinder halten die Bibel in ihrer Muttersprache in der Hand. Sie wird weltweit nicht nur in Schule und Familie verwendet, sondern auch in Krankenhäusern, Altenheimen, Gefängnissen und der Militärseelsorge.

1979: „Jahr des Kindes“

Das Projekt „Kinderbibel“ begann 1979. Damals rief die UNO das „Jahr des Kindes“ aus. Pater Werenfried, Gründer von Kirche in Not, wollte „das Bild Jesu im Herzen der Kleinsten lebendig werden lassen“. Eine Mitarbeiterin fand auf der Frankfurter Buchmesse die „Kleine Katholische Schulbibel“ von Jakob Ecker. Sie war die Basis für eine erweiterte Ausgabe, in der die deutsche Theologin Eleonore Beck Geschichten aus dem Alten und Neuen Testament kindgerecht nacherzählt. Die spanische Ordensschwester Miren Sorne steuerte farbenfrohe Bilder bei. Im selben Jahr entstanden die spanische und die portugiesische Übersetzung. Begeistert bestellten die lateinamerikanischen Bischöfe auf ihrer Generalkonferenz im mexikanischen Puebla sofort größere Mengen. Bei einem Besuch in Königstein fragte ein afrikanischer Bischof: „Wissen Sie, wie Sie helfen? Sie schicken uns diese kleine Bibel in unserer Muttersprache, in der Sprache, in der die Menschen in meiner Heimat beten und weinen.“ Oft ist die Kinderbibel das einzige Buch, das in der Muttersprache vorliegt. Laut KIN sind die auflagenstärksten Sprachen Spanisch und Portugiesisch (insgesamt seit 1979 fast 25 Millionen Exemplare), gefolgt von Englisch und Französisch (zusammen etwa 3,5 Millionen) sowie Kiswahili (gut eine Million in Kenia, Tansania und Uganda).

Die Bibel als Schatz

Die Kinderbibeln werden mit den anderen KIN-Publikationen zentral in Spanien hergestellt. Steyler Missionare bei Pamplona sind seit 33 Jahren verlässliche Partner von KIN. Günstig drucken sie jährlich etwa eine Million Bücher und versenden sie in die ganze Welt. Bischof José Luis Astigarraga aus Peru schrieb 2008 in einem Dankbrief an KIN: „Egal, wie viel es kosten würde, ein Buch wie dieses zu drucken, für ein Kind im Amazonas wäre eine Kinderbibel in jedem Fall unerschwinglich. Die Bücher, die Sie uns geschickt haben, sind für die Kinder wie ein Schatz, auf den sie achtgeben und in dem sie immer wieder mit großen, staunenden Augen lesen.“ Die Kinder nehmen die Bibel mit nach Hause und lesen sie mit den Eltern. „Erst wenn die Bibeln in den Händen der Kinder sind, ist das Projekt für uns abgeschlossen“, so Zurowski.

„Man geht nicht zu jedem x-Beliebigen, wenn man in Not ist. Gott verbindet“, erklärt Maria Zurowski das gewachsene Vertrauensverhältnis. Die Arbeit der Stiftung wird ausschließlich durch Spenden finanziert. Etwa 87 Millionen Euro im Jahr sammelte KIN 2010 für die weltumspannende Evangelisierung. „Die Wohltäter geben Geld und ihr Gebet und erhalten das Glaubenszeugnis der notleidenden Christen. Dieser Austausch macht uns reich“, beschreibt Mitarbeiterin Eva-Maria Kolmann das Besondere an der Arbeit von KIN.

Mehr unter: www.kirche-in-not.de