BEIM NAMEN GENANNT

Muammar Gaddafi, Libyens Staatspräsident (Foto: dpa), hat vor 500 jungen Italienerinnen für einen Übertritt zum Islam geworben. Früher oder später werde der Islam die Religion ganz Europas, sagte der Revolutionsführer laut italienischen Medien bei einer Begegnung am Sonntagnachmittag in der libyschen Akademie in Rom. Die Teilnehmerinnen waren demnach über eine Hostessen-Agentur bestellt worden. Neben einer Aufwandsentschädigung von 70 Euro erhielten sie von Gaddafi eine Koran-Ausgabe. Drei Frauen entschlossen sich den Berichten zufolge, Muslima zu werden. Die Union islamischer Gemeinschaften in Italien (UCII) relativierte den Missionsversuch Gaddafis. Italiens Muslime strebten keine Islamisierung an, sondern ein friedliches Zusammenleben, sagte der Präsident der Union, Izzedin Elzir, laut dem Sender Radio 24. Politiker der oppositionellen Demokratischen Partei (PD), der liberalen Partei „Italien der Werte“ und der Christdemokraten (UDC) kritisierten die Aussagen des libyschen Staatschefs. Mario Borghezio, Europaabgeordneter der rechten „Lega Nord“, sprach von „hochgefährlichen Worten“. Gaddafi hält sich auf Einladung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi in Rom auf, um den zweiten Jahrestag eines libysch-italienischen Freundschaftsvertrags zu feiern. Zu dem Anlass ließ Gaddafi 30 Berber-Hengste einfliegen, die bei einem Festakt am gestrigen Montagabend auftreten sollten. Berlusconi gab gestern ein Bankett für Gaddafi und 800 Gäste. Unklar ist laut den Medienberichten, ob Gaddafi im Lauf seines Besuchs nochmals Hostessen zu einem Islam-Vortrag einladen wird. Eine ähnliche Aktion hatte er bereits im November unternommen, als der Welternährungsgipfel in Rom tagte.