Australien bekommt einen Pilgerweg

Der Camino Salvado führt ab September 145 Kilometer durch das australische Outback in die Klosterstadt New Norcia Von Peter Beyer

Würzburg (DT) Auch Australien bekommt seinen Pilgerweg: Der Camino Salvado führt über sechs Tagesetappen, 145 Kilometer und mitten durch das Outback in die 1846 gegründete Klosterstadt New Norcia. Offiziell eröffnet und ausgeschildert ist der Pilgerpfad zwar noch nicht. Doch nachdem Anfang April dreißig mutige Pilgerpioniere die Strecke Probe gelaufen hatten, stehen für September zwei geführte Pilgerwanderungen auf dem Programm. Beide Touren sind seit langem ausgebucht.

Camino Salvado? Magere 300 Einträge erntet, wer die große Suchmaschine im Internet auf den kleinen Pilgerpfad ansetzt. Fast zehntausend Mal häufiger wird sie fündig, wenn es um dessen übermächtigen Bruder geht, den als Jakobsweg berühmt gewordenen Camino de Santiago, den allein 2009 beinahe 150 000 Pilger unter die Füße nahmen. Tatsächlich ist bislang nur eine Handvoll Pilger in die Fußstapfen von Dom Salvado getreten und durch das australische Outback marschiert, jenem Benediktinermönch aus dem 19. Jahrhundert, dem der neue Pilgerpfad in Westaustralien seinen Namen verdankt. Das soll nun anders werden.

Ausgangspunkt des sechstägigen Pilgerwegs durch die Wildnis ist die St. Josephs Kirche im Perther Stadtteil Subiaco. Nachdem Joe Walsh den Jakobsweg in Spanien absolviert hatte, keimte in seiner Gemeinde die Idee eines australischen Camino. Persönliches Vorbild für alle Beteiligten war der aus Santiago de Compostela stammende Benediktinermönch Rosendo Salvado. Der hatte 1844 von Europa nach Perth übergesetzt, um die Ureinwohner des fünften Kontinents zu missionieren. Zwei Jahre nach seiner Ankunft machte er sich auf einen 145 Kilometer langen Fußmarsch und baute, im Nichts und aus dem Nichts heraus, ein Missionshaus. Die ursprüngliche Aufgabe der Mönche, Aborigines zu missionieren, änderte sich allerdings schnell, denn rasch waren die zeitweise bis zu 17 Mönche damit beschäftigt, die von den Weißen, vielleicht gar von ihnen selbst eingeschleppten Krankheiten zu bekämpfen, welche die Ureinwohner dahinrafften. Jedenfalls bildete sich um das Missionshaus eine kleine Gemeinde, und ein Jahr später, 1846, wurde der Grundstein zu jener Klosterstadt gelegt, die bis heute die einzige in Australien geblieben und damit eine historische Sehenswürdigkeit geworden ist. Der Ort bekam seinerzeit den Namen New Norcia, so benannt nach der Geburtsstätte des Heiligen Benedikt im italienischen Norcia.

Um seine Gemeinde zu unterstützen, unternahm Dom Salvado den 145 Kilometer langen Fußmarsch von und nach Perth in der Folge regelmäßig. 1867 wurde er von Pius IX. zum Bischof geweiht. Insgesamt 54 Jahre seines Lebens blieb der Geistliche seiner Gemeinde treu, war bis Ende 1900 Abt des Klosters, bevor er auf einer Reise nach Rom im Alter von 86 Jahren starb. Sein Grab in der Klosterkirche wird bis heute von Touristen besucht – und ist nun auch zum Ziel der aufkeimenden Gemeinschaft australischer Fußpilger geworden.

Anders als damals führt der von den heutigen Pilgern eingeschlagene Weg durch das Bankenviertel von Perth und am Ufer des Flusses Swan aus der geschäftigen Millionenstadt hinaus. Am zweiten Tag passieren die Fußpilger, von denen sich einige nach europäischem Vorbild eine Jakobsmuschel umgehängt haben, die atemberaubenden Bells Stromschnellen und gelangen in den Walyunga Nationalpark. Dieser liegt in einer Region, die für den Aboriginestamm der Noogyar große spirituelle Bedeutung hat. Durch das Outback und schließlich entlang des Great Northern Highway geht es für die mit Warnwesten ausgerüsteten Teilnehmer dann bis zum Ziel, dem Kloster in New Norcia. Um dieses gruppiert sich eine Ansiedlung von insgesamt 27 Gebäuden, allesamt im spanischen Stil erbaut. Dazu gehören Internate, Schulen, ein Waisenhaus, eine Bäckerei (in der man nach Dom Salvado benannte „Pan Chocolatti“ erstehen kann), die vor 150 Jahren geweihte Klosterkirche und eine Mühle von anno 1879. Noch immer leben in der 3 000-Seelen-Gemeinde New Norcia Ordensleute im Kloster, auch wenn der letzte spanische Benediktinermönch im Januar 2010 im Alter von 99 Jahren starb.

In den jüngsten Jahren haben die Besucherzahlen im Kloster deutlich zugenommen. Immer mehr an der Geschichte von Kloster und Ortschaft Interessierte kommen zu einem Tagesausflug von Perth mit dem Auto oder mit Bussen. Die ab September 2010 anvisierten Fußpilger werden in den historischen Klostergebäuden untergebracht. Bis zum heiligen Jahr 2021, wenn der Namenstag des Heiligen Jakobus erneut auf einen Sonntag fällt, könnte es dort allerdings ein wenig eng werden. Denn so wie auf dem europäischen Jakobsweg noch 1978 nur sage und schreibe 13 Pilger den strapaziösen Fußmarsch auf sich nahmen, so könnte auch der Camino Salvado zu einem wahren Trendpfad werden. Der Samen dafür ist jedenfalls gelegt.

Mehr über den australischen Pilgerpfad Camino Salvado im Internet unter www.caminosalvado.com