Auch Muslime bedroht

Nigeria: 44 Tote bei Angriff auf Moschee – Boko Haram-Vize tot

Frankfurt/Main (DT/pi) Vermutlich Mitglieder der islamistischen Terrorsekte Boko Haram haben bei einem Angriff auf eine Moschee im Norden Nigerias 44 Gläubige erschossen. Das verlautete aus Regierungskreisen in Kano. Die Attacke im Bezirk Konduga am Montag sei vermutlich von Mitgliedern der islamistischen Sekte Boko Haram verübt worden. Die Angreifer hätten die Moschee im Bezirk Konduga betreten und dann das Feuer auf die Betenden eröffnet, sagte ein Regierungsmitarbeiter. Es handele sich offenbar um einen Racheakt für die Bildung von Bürgerwehren, die der Armee bei der Bekämpfung von Boko Haram helfen. Durch den Einsatz der Bürgerwehren hatte sich die Zahl der Anschläge in den vergangenen Wochen verringert.

Boko Haram kämpft im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias seit Jahren mit Gewalt für einen islamischen Staat. Die Gruppe verübte dabei zahlreiche blutige Anschläge gegen Sicherheitskräfte, Regierungsvertreter und Kirchen. Seit 2009 kamen dabei mindestens 3 600 Menschen ums Leben. Um dem Terror ein Ende zu bereiten, hatte Nigerias Armee im Mai eine Offensive gegen Boko Haram in den nordöstlichen Bundesstaaten Yobe, Borno und Adamawa gestartet. Zuvor hatte Präsident Goodluck Jonathan den Ausnahmezustand über die Regionen verhängt. Anfang August waren bei Kämpfen zwischen nigerianischen Soldaten und aufständischen Islamisten im Nordosten des Landes 35 Menschen getötet worden. Nach Angaben der Armee befanden sich insgesamt 17 Mitglieder von Boko Haram unter den Todesopfern, unter ihnen auch Momodu Bama alias Abu Saad, Stellvertreter des Führers der Terrorgruppe, Abubakar Shekau.

Emmanuel Ogbunwezeh, Afrika-Referent der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) in Frankfurt, geht davon aus, dass dieser neue Anschlag die moderaten Muslime Nord-Nigerias bestrafen soll. „Nach der Ideologie von Boko Haram ist es die Pflicht eines jeden Muslims, einen heiligen Krieg, wie Boko Haram ihn zu führen behauptet, zu unterstützen“, erläuterte Ogbunwezeh. „Indem sie dies unterlassen, haben die friedlichen Muslime Nord-Nigerias in den Augen von Boko Haram den Islam verraten und sind zu seinen Feinden geworden.“ Für Ogbunwezeh ist nun der Zeitpunkt gekommen, an dem die moderaten Muslime Nigerias die Aktivitäten von Boko Haram deutlich verurteilen müssen. „Dieser Angriff hat gezeigt, dass Boko Haram alle als Feinde und Ziele betrachtet, die ihre Ideologie nicht teilen. Christen und moderate Muslime sind beide von Boko Haram bedroht und müssen diese Bedrohung gemeinsam abwehren.“