„Alte Werte bleiben erhalten“

Mit dem Erlös von Hummel-Figuren wird auch Forschung über Krankheiten gefördert. Von Burkhardt Gorissen

In aller Welt begehrt: Die Figuren der 1946 verstorbenen Franziskanerin Maria Innocentia Hummel. Foto: hfg
In aller Welt begehrt: Die Figuren der 1946 verstorbenen Franziskanerin Maria Innocentia Hummel. Foto: hfg

Die lustigen Figuren der Franziskanerin Maria Innocentia Hummel haben eine weltweite Fangemeinde. Doch lange Zeit sah es so aus, als müsste die Produktion eingestellt werden. Erst seit Börsenmedienchef Bernd Förtsch Ende 2017 die Manufaktur übernahm, geht es wieder aufwärts. Nicht nur das, Hummel macht auch durch ein wichtiges Charity-Projekt auf sich aufmerksam. Ab sofort spendet die Manufaktur zehn Euro aus dem Erlös jeder verkauften Figur aus der Hope-Figuren Serie an den „Verein Brustkrebs Deutschland e.V.“

Wohltätigkeit ist garantiert im Sinne der Erfinderin. Berta Hummel wurde 1909 als drittes von sechs Kindern einer strenggläubigen katholischen Familie geboren. Dem fröhlichen Mädchen aus dem bairischen Massing stand die Welt offen, ihr künstlerisches Ausnahmetalent wurde von ihren Professoren gerühmt. 1931 bestand sie in München das Examen als Zeichenlehrerin mit Auszeichnung. Doch sie entschied sich nicht für die Honneurs der großen, weiten Kunstwelt, sondern wählte den Weg ins Kloster. Glaube als Heimat. Als Franziskaner-Novizin nannte sie sich fortan „Maria Innocentia“. Als sie im August 1934 im Kloster Sießen ihre Profess ablegte, erschien zeitgleich „Das Hummelbuch“, das sich innerhalb weniger Monate über 20 000 Mal verkaufte. Ein Bestseller zur damaligen Zeit. Im Vorwort stand, dass alles, was die „hellherzige Künstlerin Schwester Maria Innocentia“ schafft, „wie Musik und Licht ist“, denn, „Es ist kein Zug in ihren Bildern, der irgendeinem wehtun könnte“. In der Tat, Heiterkeit und Herzlichkeit verbindet man bis heute mit ihren Figuren, die schnell Weltruhm erlangten. Dazu trug bei, dass Franz Goebel, Mitinhaber der Porzellanfabrik W. Goebel in Rödental, 1934 die Lizenz zur Herstellung der Hummel-Figuren erwarb. Aber Mitte der 30er, als Maria Innocentia ihre fröhlichen Figuren in die Welt hinausschickte, sah die Welt in Deutschland alles andere als fröhlich aus. Hummels lustige Dreikäsehochs, pausbackig und von ansteckender Fröhlichkeit, widersprachen dem Hitler'schen Idealbild von einer strammen und gestählten Jugend. Es handele sich um „Wasserköpfige Wichtel und klumpfüßige Dreckspatzen“, höhnten die Nazis. Das Etikett „entartete Kunst“ haftete der malenden Franziskanerin an, der das Kloster fortan nicht nur eine geistliche Heimat bot, sondern auch Schutz vor Repressalien. Der klösterliche Friede wurde jäh zerstört. 1940 sah sich auf militärischen Befehl ein Großteil der Ordensschwestern gezwungen, das Kloster zu verlassen. Für Maria Innocentia nur ein Schicksalsschlag, ein weiterer sollte folgen. Gegen Ende des Krieges erkrankte sie an einer Rippenfellentzündung und als Folge davon an Tuberkulose. Damals ein Todesurteil. 1946 starb sie im Alter von 37 Jahren im Mutterhaus in Sießen, auf dessen Friedhof sie auch begraben ist. Doch die fröhlichen Hummel-Kinder der bayrischen Kloster-Hummel schenkten der Welt weiter ihr Lachen. Bis zu ihrem Tod schuf sie rund 700 Bilder die weltweit bekannt wurden: auf Postkarten und Porzellan, in Rahmen und Kalendern, als Plastiken und auf Kerzen.

Der Hummel-Run machte auch vor Promis nicht Halt, Ex-First Lady Betty Ford besaß eine bedeutende Sammlung. Bis auf den heutigen Tag werden die Figuren im oberfränkischen Rödental hergestellt. Das Verfahren ist heute wie damals gleichbleibend aufwendig. Jede Figur wird traditionell von Meistern ihres Faches, die zum Teil bereits in der 3. Generation in der Hummelfertigung tätig sind, modelliert, gegossen, bemalt und mehrfach gebrannt. Soviel Handwerkskunst müsste eigentlich Früchte tragen, dennoch lief es in Deutschland viele Jahre nicht rund. 2006 kam der erste Insolvenzantrag, 2008 stellte Goebel die Herstellung der Figuren wegen fehlender Wirtschaftlichkeit ein. 2009 wurde die Manufaktur übernommen und die Herstellung in kleinerem Maßstab wieder aufgenommen, bis 2013 der zweite Insolvenzantrag folgte. Auch ein weiterer Versuch, das Unternehmen unter anderer Leitung weiterzuführen misslang. Rettung stellte sich erst mit dem Engagement von Bernd Förtsch ein. Der mittelständische Unternehmer und Verleger („Der Aktionär“) stieg im Dezember 2017 in die Firma ein. Förtsch kennt sich nicht nur in den Bereichen Finanzen, Börse und Wirtschaft bestens aus, er engagiert sich auch aktiv in seiner Heimatregion Oberfranken.

„In diesen unruhigen Zeiten“, betont er, „muss man dafür sorgen, dass alte Werte erhalten und gepflegt werden“. Wie es aussieht, ist er das Wagnis mit Erfolg eingegangen. Das von Grund auf neu durchorganisierte Unternehmen konnte den Großteil der Belegschaft übernehmen, neue Ausbildungsplätze wurden geschaffen und Entwicklungsprozesse dynamisiert. Dabei zielt der Kernpunkt der Sanierung auf ein neues Vertriebskonzept mit Fokus auf den Direktvertrieb. Ebenfalls auf den Weg gebracht wurde ein Community-Konzept, das die weltweit aktive Sammlergemeinde einbindet. Produktionsleiter Peter Hohnstein, als Hummel-Urgestein bereits seit 40 Jahren in der Firma, hat alle Höhen und Tiefen miterlebt. Er verweist auf die Wichtigkeit, die Firma wieder auf ein solides Fundament zu stellen, ohne die Tradition aufzugeben. Doch nicht nur Traditionspflege steht auf dem Programm des agilen Unternehmens. Wer nur den kalten Profit ins Auge fasst, wird auf Dauer keinen Erfolg landen, „Sozialkompetenz“ heißt das Zauberwort.

In den Vereinigten Staaten funktioniert das schon länger. Seit einigen Jahren unterstützt „Hummel USA“ die „National Breast Cancer Foundation“ und konnte bereits über 100 000 Euro spenden. Das strebt Hummel unter der neuen Leitung nun auch für den deutschen und europäischen Markt an. Dafür eigens kreiert, die „Hope-Figur“. 2018 trägt sie den Titel „Welt der Hoffnung“. Erkennungsmerkmale sind rosa Strümpfe sowie das Logo von Brustkrebs Deutschland e.V. am Sockel. Joffrey Streit, Markenbotschafter der Manufaktur, betont das „soziale Engagement im Geist von Maria Innocentia Hummel“. Aus dem Erlös jeder verkauften Figur aus der „Hope-Figuren Serie“ gehen zehn Euro an den „Verein Brustkrebs e.V.“. Mit dem Geld wird die Aufklärung, Prävention und Früherkennung gefördert. Mit der feierlichen Übergabe der neuen Figur aus der Hope-Serie an Renate Haidinger, der Vorsitzenden des „Vereins Brustkrebs Deutschland e. V.“ besiegelte Hummel-Markenbotschafter Joffrey Streit die Zusammenarbeit. Zukünftig soll jedes Jahr eine neue Figur erscheinen, um den Spendenerlös zu erhöhen. „Es ist mir eine Herzensangelegenheit, die Verantwortlichen um Vereinsgründerin Renate Haidinger bei ihrer wichtigen Arbeit im Kampf gegen diese heimtückische Krankheit zu unterstützen“, betont der neue Firmenchef Bernd Förtsch. Erhältlich sind die Figuren im Shop der Hummel Manufaktur.

Weitere Infos unter: www.hummelfiguren.com