„Die unglaubliche Reise des Fakirs, der in einem Kleiderschrank feststeckte“

"Die unglaubliche Reise des Fakirs" ist ein farbenfrohes Abenteuer-Märchen, das aber in der ernsten Nebenhandlung den Ton verfehlt. Von José García.

Garcías Filmtipp am 06. Dezember
In Paris lernt Aja (Dhanush) die Amerikanerin Marie (Erin Moriarty) kennen, in die er sich augenblicklich verliebt. Obwohl er sich mit ihr schon in Indien wähnt, wird er zunächst einmal in einem Schrank auf die Reise geschickt. Foto: SquareOne

Wie schon der schwedische Roman und Film „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ (DT vom 18.03.2014) basiert der Film mit ähnlich komplexen Relativsatz-Titel „Die unglaubliche Reise des Fakirs, der in einem Kleiderschrank feststecke“ auf einem (fast) gleichnamigen, 2013 erschienenen Roman. Beiden gemeinsam ist ebenfalls die Weltreise, die der jeweilige Protagonist unternimmt. Hier ist Aja (Dhanush), der nach dem Tod der Mutter nach Paris reist, um dort eine Urne mit ihrer Asche zu begraben sowie seinen Vater – einen Franzosen – zu finden.

Zum Rendezvous am Eiffelturm schafft er es nicht, weil er in einem Schrank einschläft

In Paris lernt er Marie (Erin Moriarty) kennen und lieben. Zum Rendezvous am Eiffelturm schafft es Aja leider nicht mehr, weil er bei Ikea in einem Schrank einschläft, der dann nach London verfrachtet wird. Auch wenn Aja sofort nach Paris zurück möchte, führt sein Weg über eine Weltreise mit Etappen in Rom, wo ihm die Schauspielerin Nelly (Bérénice Bejo) hilft, und in Lybien, wo er
dem somalischen Flüchtling Wiraj (Barkhad Abdi) wieder begegnet.

Hier sehen Sie den Trailer zum Film

Auch wenn der Film kaum Originalität beanspruchen kann, überzeugt die farbenfrohe, mit „Bollywood“-Einlagen angereicherte Komödie von Ken Scott insbesondere durch Ajas Lebensbejahung. Der junge Mann mit dem entwaffnend guten Herzen erbte von seiner Mutter eine gute Portion Optimismus, der ihm etwa das Überleben auf der Straße ermöglichte.

Die Nebenhandlung mit den Flüchtlingen geht allerdings daneben

Ähnlich „Slumdog Millionär“ (DT vom 31.03.2009) baut Scott in die Rahmenhandlung immer wieder Rückblenden über Ajas Leben ein. Als mit einer Liebesgeschichte, die zu Ende zu sein scheint, ehe sie begonnen hat, angereichertes, abenteuerliches Märchen überzeugt „Die unglaubliche Reise des Fakirs, der in einem Kleiderschrank feststecke“. Die Nebenhandlung mit den Flüchtlingen, so naiv-märchenhaft sie dargestellt wird – oder eben gerade deshalb – geht allerdings daneben.

DT

Die Hintergründe zu diesem Thema finden Sie in der Wochenausgabe der Tagespost. Kostenlos erhalten Sie die Zeitung hier.