"Cold War"

Eine melancholische Liebesgeschichte in gestochen scharfen Schwarz-Weiß-Bildern: Pawel Pawlikowskis Spielfilm „Cold War – Der Breitengrad der Liebe“. Von José García

Filmtipp: "Cold War"
Der Musiker Wiktor (Tomasz Kot) und die Sängerin Zula (Joanna Kulig) lernen sich 1949 in Polen kennen und lieben. Drei Jahre später gehen sie getrennte Wege. Aber damit ist die Liebesgeschichte noch lange nicht zu Ende. Foto: Neue Visionen

Pawel Pawlikowski wurde international bekannt mit „Ida“ (DT vom 15.04.2014), einem in den sechziger Jahren angesiedelten Drama einer Novizin, die ihre jüdische Abstammung entdeckt. Über den emotional aufrüttelnden Inhalt hinaus zeichnete sich „Ida“ durch seine gestochen scharfen Schwarzweißbilder im eigentlich veralteten Leinwandformat 4:3 aus. Dieses Format wählt Pawlikowski erneut für seinen aktuellen Film „Cold War – Der Breitengrad der Liebe“, der auf den diesjährigen Filmfestival in Cannes den Preis für „Beste Regie“ gewann, und nun Polen beim Rennen um den nichtenglischsprachigen Oscar 2019 vertritt.

"Cold War" schildert die Liebesgeschichte zwischen der Sängerin Zula und dem Musiker Wiktor

„Cold War“ schildert die sich über die Jahre 1949-1964 erstreckende Liebesgeschichte zwischen der Sängerin Zula (Joanna Kulig) und dem Musiker Wiktor (Tomasz Kot). Ihren Anfang nimmt sie, als 1949 Wiktor auf der Suche nach traditionellen polnischen Melodien das Land bereist. Zula wird der Mittelpunkt des nach dieser Reise entstehenden Tanz- und Musikensembles. Obwohl sich Zula und Wiktor ineinander verlieben, verlieren sie sich 1952 aus den Augen, als Wiktor einen Auftritt in Ostberlin dazu nutzt, in den Westen zu fliehen – in einer Szene, die sehr an „Casablanca“ (Michael Curtiz, 1942) erinnert. Erst Jahre später werden sich die beiden einst Liebenden wieder begegnen.

Zwischen klassischer griechischer Tragödie und nihilistischem Drama

Pawlikowski erzählt eine tieftraurige, hoffnungslose Liebesgeschichte, die zwischen einer klassischen griechischen Tragödie und einem modernen nihilistischen Drama oszilliert. Aber der polnische Ausnahmeregisseur erzählt sie dank der vielen Ellipsen – Lücken, die der Zuschauer anhand von Schwarzblenden und Titel, die auf Ort und Zeit hinweisen, selbst füllen muss – höchst eigenwillig.

Sehen Sie hier den Trailer zum Film.

Außerdem wird jede Einstellung – ob auf dem Land, auf einer Theaterbühne oder in einer Pariser Dachkammer – durch die Kamera von Lukasz Zal, der nach „Ida“ erneut mit Pawlikowski zusammenarbeitet, zu einem Kunstwerk von malerischer Anmutung.

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DT