London

Sprachverbote im Bildungsbetrieb behindern Karrieren

Eine Professorin des Londoner Music College wird des Rassismus bezichtigt, weil sie ein übliches Sprachbild aufgriff.

Sprachverbote im Bildungsbetrieb
Sprachverbote im Bildungsbetrieb können Karrieren behindern. Foto: Karl-Josef Hildenbrand (dpa)

Francesca Carpos galt als virtuose und ausdrucksstarke Fagottistin und empathische Professorin für Musik am Londoner Music College. Ihren Unterricht beschränkte sie nicht nur auf die Vermittlung rein fachlicher Informationen.

Instrumentalisten haben es nicht leicht

Es war ihr auch ein Anliegen, dass ihre Studenten nach Abschluss der Studienzeit dort ankamen, wo sie hinwollten, in der Musikwelt. Und die kann, auch und gerade was den klassischen Musikbetrieb angeht, durchaus rau sein. In einem Orchester wird keiner der Instrumentalisten mit Samthandschuhen angefasst. Dort herrscht vielmehr eine lebhafte Konkurrenz. Die aber betrifft nicht nur die Mitglieder der einzelnen Instrumentengattungen untereinander – zwei falsche Töne zu viel und der Vorspielerposten geht an den nächsten ambitionierten Kollegen – sondern auch zwischen den Gattungen selbst.

Politisch inkorrekte Kosenamen

Darauf machte Professor Carpos die Studenten aufmerksam und sie verwendete dabei genau jene Begriffe, die im Orchesteralltag durchaus gängig sind. In England bedeutet dies: die Violinen sind die Gypos – zu Deutsch Zigeuner – und die Harfen das pond life – das Leben am Teich. Was witzig gemeint ist und deshalb immer noch verwendet wird, geriet bei einigen ihrer Studenten in den völlig falschen Hals. Sie schrien empört auf, sammelten Unterschriften, bezeichneten Carpos als Rassistin und sorgten dafür, dass die bis dahin erfolgreich arbeitende Musikerin und Dozentin fristlos entlassen wurde.

Vorspiel zu Belästigung und Diskriminierung?

Der Vorwurf gegen sie lautete, sie habe mit ihrem Memo zum Thema erfolgreicher Einstieg ins Berufsleben dafür gesorgt, dass sich ein vergiftetes Klima entwickelt habe, in dem Musiker zu Komplizen bei der Belästigung und der Diskriminierung ihrer Kollegen geworden wären. Dass ihr einziges Anliegen gewesen war, die Studenten, deren Blick durch die engen Mauern des Elfenbeinturmes oft nicht weit genug reicht, auf die Realität vorzubereiten und in ihrem Memo auch zu lesen gewesen war, dass es hilfreich und förderlich ist, sich in das gewünschte Berufsfeld nicht nur professionell einzubringen, sondern auch sozial aufgeschlossen zu sein, war nicht mehr Teil des Diskussion. Es ging nur noch um ein einziges Wort: Gypos – Zigeuner.

Warum der Fall von Francesca Carpos symptomatisch ist und was er mit der Gender-Thematik zu tun hat, erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe der „Tagespost“ vom 11. April 2019. Kostenlos erhalten Sie diese Ausgabe hier.

DT (jobo)