Würzburg

Spitzenforscher fordern Moratorium auf CRISPR/Cas-Technologie

In einem Beitrag für die Fachzeitschrift „Nature“ fordern 18 Spitzenforscher, dass Keimbahneingriffe, bei denen menschliches Erbgut manipuliert wird, für eine Dauer von fünf Jahren verboten werden. Zu den Verfassern gehören auch zwei Pioniere der Technologie.

Moratorium für CRISPR/Cas-Technologie gefordert
Mit der CRISPR/Cas-Technologie, die gern auch als „Genom-Chirurgie“ oder „Genom-Editing“ bezeichnet wird, lässt sich der genetische Code von Lebewesen auf molekularer Ebene bearbeiten. Foto: Angelika Warmuth (dpa)

Im November 2018 verkündete der chinesische Biophysiker He Jiankui die Geburt zweier Zwillingsmädchen. Deren DNA hatte er zuvor mit der CRISPR/Cas-Technologie teilweise umgeschrieben. In der Fachzeitschrift „Nature“ fordern nun 18 Spitzenforscher ein weltweites Moratorium für derartige Keimbahneingriffe.

"Erlasst ein Moratorium für Genom-Editing"

Unter der Überschrift „Erlasst ein Moratorium für Genom-Editing“ fordern die Spitzenforscher die Regierungen aller Herren Länder auf, für die Dauer von fünf Jahren auf klinische Keimbahnexperimente zu verzichten, bei denen menschliches Erbgut in „Spermien, Eizellen oder Embryonen“ mit dem Ziel manipuliert wird, genetisch veränderte Kinder zu erschaffen.

In dem vierseitigen Beitrag, der als Kommentar in der aktuellen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlicht wurde, stellen die Wissenschaftler klar, dass sie keinesfalls einen „permanenten Bann“ verlangen. Auch solle sich das Moratorium weder auf die genetische Veränderung von somatischen Zellen noch auf die Grundlagenforschung erstrecken. Die Staaten sollten das Moratorium jedoch nutzen, um die „technischen, wissenschaftlichen, medizinischen, sozialen, ethischen und moralischen Probleme“ zu diskutieren und „ein internationales Regelwerk zu schaffen“.

Pioniere der Technologie liefern sich leidenschaftlichen Patent-Streit

Mit der inzwischen am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin arbeitenden Französin Emmanuelle Charpentier und dem in den USA am Broad Institute in Cambridge wirkenden Chinesen Feng Zhang gehören auch zwei Pioniere der CRISPR/Cas-Technologie zu den Verfassern des Aufrufs. Beide liefern sich seit Jahren wegen ihrer jeweiligen Beiträge zu der Entdeckung und Fortentwicklung der Technologie einen leidenschaftlichen Patent-Rechtsstreit, der rund um den Globus ausgetragen wird.

Mit der CRISPR/Cas-Technologie, die gern auch als „Genom-Chirurgie“ oder „Genom-Editing“ bezeichnet wird, lässt sich der genetische Code von Lebewesen – einschließlich der des Menschen – auf molekularer Ebene bearbeiten und gezielt verändern.

Warum die Spitzenforscher mit ihrem Aufruf indirekt auch prinzipielle Kritiker der CRISPR/Cas-Technologie bestätigen, erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe der „Tagespost“ vom 28. März 2019. Kostenlos erhalten Sie diese Ausgabe hier.

DT