Scharfer Geist mit entschlossener Tatkraft

Pater Engelbert Recktenwald würdigt den verstorbenen Philosophen Robert Spaemann. Dieser habe den Konflikt nie gescheut, auch nicht mit den Bischöfen.

Pater Recktenwald würdigt Robert Spaemann
Der eine Mensch Spaemann zerfällt nicht in den Philosophen hier und den Katholiken dort, sondern er verwirklichte in Person jene Einheit von Denken und Praxis, meint Pater Recktenwald. Foto: Marijan Murat (dpa)

Wer Robert Spaemann kennenlernen durfte, merkte bald, dass sich in diesem Menschen ein scharfer Geist mit entschlossener Tatkraft verband. Als Philosoph war er mit jenem Gespräch vertraut, das mit Sokrates und Platon seinen Anfang nahm und sich bis heute fortsetzt. Er bewegte sich darin mit souveräner Urteilskraft und verstand es, die Erkenntnisse der Großen über alle Zeitgrenzen hinweg miteinander in Kontakt zu bringen und daraus Funken für neue Einsichten zu schlagen. Er gründete keine philosophische Schule und kein geschlossenes System.

Sein Denken war offen, aber konsequent

Sein Denken war offen, aber konsequent, und er scheute sich nicht, die Linien seines Denkens auszuziehen bis in die politische und kirchliche Praxis hinein. Damit will ich sagen: Der eine Mensch Spaemann zerfällt nicht in den Philosophen hier und den Katholiken dort, sondern er verwirklichte in Person jene Einheit von Denken und Praxis, die jede Glaubwürdigkeit ausmacht, und die Einheit von Denken und Glauben, die auch das Anliegen des mit ihm befreundeten Kardinal Ratzingers / Papst Benedikts war.

Spaemann mischte sich in die großen Diskussionen ein und scheute dabei keinen Konflikt, auch nicht den Konflikt mit den Bischöfen. Im jahrelangen Streit um den Ausstieg der Kirche aus der Schwangerenkonfliktberatung war er es, der öffentlich am überzeugendsten den Verbleib im Beratungssystem als unverantwortlich kritisierte, und zwar in einem großen Artikel, der 1999 unter dem vielsagenden Titel „Die schlechte Lehre vom guten Zweck. Der korrumpierende Kalkül hinter der Schein-Debatte“ in der FAZ erschien.

Spaemann lehnte die Beteiligung der Kirche an der Schwangerenkonfliktberatung ab

Schon zuvor hatte er in der Internationalen Katholischen Zeitschrift Communio gezeigt, dass die Ausstellung des Beratungsscheins eine formelle und als solche eine nie erlaubte Mitwirkung bei der Abtreibung darstellt, weil dieser Schein keinen anderen Verwendungszweck hat, als den Weg für die Tötung des ungeborenen Kindes freizumachen.

Warum Robert Spaemann unter Theologen nur wenige Freunde hatte, erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe der „Tagespost“ vom 13. Dezember 2018. Kostenlos erhalten Sie diese Ausgabe hier.

DT