Fresno

Psychologe verteidigt Konversionstherapie

Der Psychologe Christopher Rosik ist gegen Verbote der Konversionstherapie. Der Begriff werd heute als "trojanisches Pferd" eingesetzt.

Debatte um Konversionstherapie
Laut Wikipedia handelt es sich bei der Konversionstherapie um eine „pseudowissenschaftliche Praxis, bei der versucht wird, die sexuelle Orientierung eines Menschen durch den Einsatz psychologischer oder spiritueller Maßnahmen von homo- oder bi- zu heterosexuell zu wandeln“. Foto: Boris Roessler (dpa)

Gesundheitsminister Spahn will die „Konversionstherapie“ verbieten. Dazu hat sich Christopher Rosik im Interview mit der „Tagespost“ geäußert, der als Psychologe seit 1988 und Direktor der Forschungsabteilung am „Link Care Center“ im kalifornischen Fresno arbeitet. Dieses christliche Beratungs- und Therapiezentrum wird unter anderen von Personen mit unerwünschter gleichgeschlechtlicher Anziehung und unerwünschten sexuellen Verhaltensweisen SSAB (same-sex attractions and behaviours) aufgesucht.

Befürworter eines Verbots schildern entsetztliche Praktiken

Laut Wikipedia handelt es sich bei der Konversionstherapie um eine „pseudowissenschaftliche Praxis, bei der versucht wird, die sexuelle Orientierung eines Menschen durch den Einsatz psychologischer oder spiritueller Maßnahmen von homo- oder bi- zu heterosexuell zu wandeln“. Ist dies für Rosik eine korrekte Beschreibung seiner Tätigkeit? „So, wie von den Gegnern der ,Konversionstherapie' offenbar beschrieben, ist dies keine Therapie, und sie ist auch nicht das, was ich mit den Klienten mache“, meint Rosik. „Auf Wikipedia kann man sich im Hinblick auf eine angemessene Erörterung dieser Fragen nicht verlassen, da Versuche, präzisere Fakten sowie eine alternative Perspektive beizusteuern, von ihren Redakteuren entfernt werden. Ich denke, der Begriff „Konversionstherapie“ wird heute als trojanisches Pferd eingesetzt. In Gesetzgebungs- und Gerichtsverfahren in den USA und in Europa schildern die Befürworter eines Verbots dieser „Therapie“ oftmals entsetzliche Praktiken mit Elektroschocks an die Genitalien, die beim Ansehen schwuler Pornos Erbrechen auslösen, sowie weitere schmerzhaften Widerwillen hervorrufende Techniken. Verständlicherweise können Politiker und Laien da nur schwer sagen, dass sie gegen das Verbot eines solchen Tuns sind.“ Demnach entspricht diese Schilderung von Kritikern gar nicht der Realität.

Rosik: Die derzeitige Lage scheint im Sinne Orwells zu sein

Der Rechtsprofessor und bekannte Verfechter eines Verbots der Konversionstherapie, Clifford Rosky, sagte darauf das, was Verbotsgegner von Anfang an wussten: „Lizenzierte Therapeuten haben seit Jahrzehnten keine Schocktherapie und keine Aversionstherapien durchgeführt. Wie wir wissen, sind Worte für Kinder ebenso schädlich.“ Das letzte Ziel war nach Rosik immer schon die Unterdrückung von Sprachweisen, die als Nicht-Anerkennung aufgefasst werden.

Rosik versucht in seinen Therapien meistens, Eltern darüber zu unterrichten, wie entscheidend es ist, ihr Kind zu lieben, ohne dass sie ihre traditionellen religiösen Überzeugungen über Sexualmoral aufgeben müssen: „Dennoch scheint die derzeitige Lage im Sinne Orwells zu sein: Ist es denn vernünftig, dass Jugendliche und Erwachsene, die im falschen biologischen Geschlecht zu leben meinen, den Eintritt der Pubertät verhindern, ihre Genitalien chirurgisch verändern und Brüste entfernen dürfen, während anderen mit nicht-gewollter gleichgeschlechtlicher Anziehung und ebensolchen Verhaltensweisen verboten wird, noch nicht einmal mit einem lizenzierten Therapeuten in einer Weise zu sprechen, die als Förderung des Strebens nach Fluidität und Veränderung gedeutet werden könnte?“

Weder Therapeuten noch Regierungen sollten mit Verboten handeln

Kann sexueller Missbrauch von Kindern auch einen Einfluss auf die geschlechtliche Anziehung haben? Nach Rosik gibt viele Forschungsergebnisse, wonach bei manchen Menschen sexueller Missbrauch bei der Entwicklung ihrer SSAB mitwirken kann. Er hält auch andere Interpretationen für möglich. Für den Therapeuten sei von entscheidender Bedeutung zu verstehen, wie Klienten Ursprünge ihrer SSAB wahrnehmen. Weder Therapeuten noch Regierungen sollten ihre Standpunkte durch gesetzliche Verbote aufzuzwingen versuchen.

Mehr erfahren Sie über die Probleme der Konversionstherapie und ihrer Gegner in der aktuellen Ausgabe der „Tagespost“ vom 18. April 2019. Kostenlos erhalten Sie diese Ausgabe hier.

DT