Kleriker im Scheinwerferlicht

Dass sich Heiligenschein und Scheinwerferlicht nicht unbedingt ausschließen müssen, zeigte der amerikanische Erzbischof Fulton Sheen. Er prägte viele Jahrzehnte das US-Fernsehen und Radio.

Film- oder Medienstars, die zu Legenden und Mythen werden – das ist eigentlich nichts Besonderes. Die Liste ist lang und reicht von diversen Hollywood-Stars bis hin zu diversen TV- und Talk-Show-Moderatoren. Film- oder Medienstars, die Heilige waren – das ist allerdings schon ein etwas auserwählterer Kreis, denn die Kombination aus Heiligenschein und Scheinwerferlicht ist selten, scheint sich irgendwie auszuschließen. Meistens.

Fulton Sheen verkündete das Evangelium mit unverfälschter Klarheit

Einer, der zu den Exemplaren dieser raren Spezies zählt, dürfte der amerikanische Erzbischof Fulton Sheen sein, der über viele Jahrzehnte im US-Fernsehen und Radio das Evangelium verkündete: mit markanter Stimme, aufmerksamem Blick und eleganter Statur, aber auch mit unverfälschter Klarheit, wenn es um die katholische Lehre ging.

Und um die ging es dem 1895 in El Paso (Illinois) geborenen Sheen, der auf den Namen Peter getauft wurde, eigentlich ständig. Egal, ob er beim Radiosender NBC die „Catholic Hour“ schlagen ließ oder im Fernsehen im Rahmen von „Life Is Worth Living“ auftrat; Sheen erklärte Millionen von Menschen in einfacher, leicht verständlicher Weise die Grundwahrheiten der Heiligen Schrift und des Katholizismus, sodass es für andere Programme schwierig war, in Dramatik und Intensität mitzuhalten.

Selbst in Videos springt das rhetorische Charisma Sheens unausweichlich über

Noch heute springt das rhetorische Charisma Sheens unausweichlich über, wenn man sich etwa bei Youtube seine fesselnden Ansprachen über die Gottesmutter oder die heilige Messe zu Gemüte führt. Was bei einer derartigen Performance-Brillanz aber schnell vergessen wird: Sheen, der am 20. September 1919 zum Priester und 1951 zum Bischof geweiht wurde, war ein Mann mit langjähriger akademischer Formation und Erfahrung. An der Katholischen Universität im belgischen Löwen hatte er in Philosophie promoviert, am Angelicum in Rom promovierte er in Theologie. Mehr als 20 Jahre wirkte Fulton Sheen als Professor an der Katholischen Universität von Amerika in Washington.

Dieser wissenschaftliche Background war auch bei seinem Verkündigungsdienst hilfreich und spürbar. Sheen, der Thomas von Aquin verehrte, sich aber auch stets über die Entwicklungen der modernen Kunst und Literatur informierte, entwickelte nämlich seine evangelistischen Gedanken und Appelle stets kohärent und logisch. Billige Showeffekte waren nicht seine Sache – wie allerdings auch nicht die administrativen Pflichten eines Diözesandienstes. Nur drei Jahre war er Ende der 1960er Jahre Bischof von Rochester, dann verzichtete er und gab sich mit einem Titularbistum zufrieden. Wissend, dass seine eigentliche Diözese das amerikanische TV-Publikum war.

Wie Erzbischof Fulton Sheen Attacken und Verwirrungen im Kontext der Kirchengeschichte sah, erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe der „Tagespost“ vom 13. Dezember 2018. Kostenlos erhalten Sie diese Ausgabe hier.

DT