„Ganze Lebenswelten sind obsolet geworden“

Im Gespräch mit der „Tagespost“ äußern sich die Chemnitzer Politologen und Buchautoren Sebastian Liebold und Frank Schale zum intellektuellen Konservatismus der Nachkriegszeit.

Konrad Adenauer
US-Präsident John F. Kennedy spaltete die deutschen Konservativen. Foto: dpa

Die Politologen Sebastian Liebold und Frank Schale haben bis 2017 an der TU Chemnitz in einem vom Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst geförderten Projekt die Ideengeschichte der frühen Bundesrepublik untersucht. Dabei entstand der Sammelband „Neugründung auf alten Werten? Konservative Intellektuelle und Politik in der Bundesrepublik“. Im Gespräch mit der „Tagespost“ äußern sich die beiden Autoren zu ihren Rechercheergebnissen. Die Intellektuellen des Nachkriegskonservatismus verbinde der Wunsch nach einer Bestandsaufnahme, die Nationalsozialismus und Weimarer Republik kritisch reflektiert, meint Schale. Liebold ergänzt, dass ganze Lebenswelten sowie das Selbstbewusstsein bei vielen obsolet geworden sei. „Kriegsende, Vertreibung, deutsche Teilung führen zu ideologischen Verwerfungen, die eine Neuorientierung erfordern, obwohl man sich nach Kontinuität sehnt“, so der Wissenschaftler.

Der Blick in die Zukunft, meint Schale, falle bei den konservativen Intellektuellen der Nachkriegszeit modernitätskritisch aus. Zuversichtlich sei jedoch der Staatswissenschaftler und Politologe Arnold Bergstraesser, der nach seiner Emigration in Freiburg tätig war, so Sebastian Liebold. Er sehe den hergebrachten, an christliche Ethik gekoppelten Humanitätsbegriff in Gefahr.

Zur Rolle, die das Christentum für die im Buch behandelten Protagonisten spielt, erklärt Liebold: „Es ist konfessionsübergreifend für die meisten eine so selbstverständliche Basis, dass sie nicht hervorgehoben wird.“ Nicht wenige engagierten sich in der Abendland-Bewegung. Der Protestant Hans-Joachim von Merkatz und der Katholik Andreas Hermes, so Schale, seien zwei von wenigen, die ihre religiöses Bekenntnis herausstellten.

Das ausführliche Interview lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der „Tagespost“ vom 12. April.
DT