Damaskus / Würzburg

Filmemacher verbringt 300 Tage in dschihadistischer Familie

"Of Fathers and Sons – Die Kinder des Kalifats" ist eine "Reise in das Gehirn der Dschihadisten".

Filmemacher Talal Derki verbringt 300 Tage in dschihadistischer Familie.
Talal Derki: Der Filmemacher verbringt 300 Tage in dschihadistischer Familie. Foto: Boris Roessler (dpa)

Der in Damaskus geborene Regisseur Talal Derki und sein Kameramann Kahtan Hassoun haben mehr als 300 Tage "undercover" bei einer salafistischen Familie im Norden Syriens verbracht. Daraus entstand der Dokumentarfilm "Of Fathers and Sons – Die Kinder des Kalifats". Der Vater, Abu Osama, gehört der dschihadistischen al-Nusra-Front an. Seine acht Söhne opfert er der dschihadistischen Ideologie, indem er sie zu "Gotteskriegern" erzieht und in al-Nusra-Trainingscamps ausbilden lässt.

Einblick in die islamistische Indoktrinierung

Der Film gibt einen Einblick in die islamistische Indoktrinierung und in den Kreislauf der Gewalt. Im Gespräch mit der "Tagespost" spricht Regisseur Derki von einer "Reise in das Gehirn der Dschihadisten". Beschäftigt habe ihn dabei insbesondere die Frage, wie sie ihre Kinder behandelten. "Gewalt kann im Namen einer Religion ausgeübt werden, im Namen einer Nationalität. In unserer modernen Welt wachsen Extremismus und Radikalismus", so der Filmemacher.

Auf die Frage, wie es ihm gelungen sei, das Vertrauen der Familie zu gewinnen, antwortet Derki: "Du musst nur sagen, dass du an das Gleiche glaubst." Ein schlechtes Gewissen habe er dabei nicht gehabt. "Es ging auch um Selbstschutz. Ich wollte nicht, dass sie mir sagen, was ich filmen soll oder nicht." Dies sei nicht möglich, wenn man von Vornherein offenlege, dass man Journalist sei.

"Für mich als Filmemacher war es eine große Herausforderung"

Die Zeit bei der dschihadistischen Familie bezeichnet der Regisseur als "sehr intensiv". Kaum ein Film gehe so tief in jene Kreise. "Für mich als Filmemacher war es eine große Herausforderung, dem Publikum eine solche cineastische Version zu präsentieren." Das wichtigste sei für ihn aber das Kino. Daher habe er den Film so drehen müssen. Abu Osama starb nach den Dreharbeiten bei einem Bombenattentat.

Wie Derki das Geschlechterverhältnis während seiner Zeit bei den Islamisten erlebt hat, erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe der "Tagespost" vom 28. März 2019. Kostenlos erhalten Sie diese Ausgabe hier.

DT/bwi