Reims

Fall Lambert: Eltern kämpfen nicht mehr für Weiterbehandlung

Der Tod ihres Sohnes sei jetzt unvermeidlich, schreiben die Eltern des französischen Wachkoma-Patienten in einem offenen Brief. Gleichzeitig fahren sie fort in ihrer Kritik am Behandlungsstopp.

Wachkoma-Patient Vincent Lambert
Vincent Lamberts Mutter zu Besuch im Krankenhaus in Reims. Foto: Photopqr/L'union De Reims (MAXPPP/epa)

Die Eltern des französischen Wachkoma-Patienten Vincent Lambert wollen nicht mehr gerichtlich für die Weiterbehandlung ihres Sohnes kämpfen. In einem offenen Brief, aus dem mehrere französische Medien zitieren, erklärten die Eltern: „Vincents Tod ist jetzt unvermeidlich. Er wurde ihm verordnet, wie auch uns. Auch wenn wir das nicht akzeptieren, bleibt uns nichts anderes übrig, als dass wir uns abfinden mit dem Schmerz, dem Unverständnis, aber auch mit Hoffnung.“

Versorgung Lamberts am Mittwoch eingestellt

Am Mittwoch vergangener Woche war die Versorgung des 42-Jährigen, der die letzten Jahre in einem Krankenhaus in Reims gepflegt wurde, eingestellt worden. Ermöglicht hatte dies das Urteils eines Kassationsgerichts. Lamberts Eltern hatten daraufhin den behandelnden Arzt wegen fahrlässiger Tötung verklagt. Der Zustand das Patienten habe sich schnell verschlechtert, nachdem die künstliche Ernährung gestoppt worden war, erklärte einer der Anwälte von Lamberts Eltern, Jean Paillot.

Die Klage gegen den behandelnden Arzt sei ein letzter Hilferuf gewesen, so Anwalt Paillot. Eine Wiederaufnahme der Behandlung sei nun aufgrund Lamberts Zustand nicht mehr sinnvoll. Vincents Eltern würden ihren Sohn nun in den letzten Momenten begleiten. „Es bleibt nichts anderes zu tun, als zu beten und unseren lieben Vincent in Würde und Meditation zu begleiten“, schreiben die Eltern weiter in ihrem Brief. Auch Lamberts Vater Pierre hatte den Behandlungsstopp seines Sohnes zuletzt scharf kritisiert. „Es ist eine getarnte Ermordung, eine Sterbehilfe“, soll er sich laut französischen Medien geäußert haben.

"Es ist eine getarnte
Ermordung, eine Sterbehilfe"
Lamberts Vater Pierre

Der ehemalige Krankenpfleger Vincent Lambert war 2008 schwer mit dem Motorrad verunglückt und ist seitdem querschnittsgelähmt. In den vergangenen Jahren lieferten sich seine Frau und seine Eltern einen erbitterten Rechtsstreit, der bis hinauf zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg ging. Während die Eltern stets für eine Weiterbehandlung gekämpft hatten, sprachen sich Lamberts Frau sowie einige seiner Schwestern und Brüder gegen jegliche lebenserhaltenden Maßnahmen aus.

DT/mlu

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