"Die Farbe des Horizonts"

Verliebte Schiffbrüchige: Baltasar Kormákurs „Die Farbe des Horizonts“ verknüpft den Überlebenskampf auf hoher See mit einer Liebesgeschichte in wunderschöner Landschaft. Von José García

Auf Tahiti lernt Tami (Shailene Woodley) den segelerfahrenen Engländer Richard (Sam Claflin) kennen und lieben lernen. Zusammen wollen sie eine Luxusjacht nach Kalifornien überführen. Sie geraten aber in einen schweren Hurrikan. Foto: Tobis

Vom ersten Filmbild an wird der Zuschauer in den Überlebenskampf von Tami Oldham (Shailene Woodley) hineingezogen. Gerade aus einer Ohnmacht erwacht, kann sie sich nur mit großer Mühe aus der verrammelten Kabine befreien. Draußen stellt die junge Frau fest, dass die Luxusjacht in der endlosen Weite des Pazifiks abdriftet. Von ihrem Verlobten Richard fehlt jede Spur. Nach einem scharfen Schnitt macht „Die Farbe des Horizonts“ einen Sprung fünf Monate zurück: Im Frühling 1983 lernt die abenteuerlustige Tami den etwas älteren Engländer Richard (Sam Claflin), einen erfahrenen Segler, in Tahiti kennen und lieben. Bald ist Tami davon überzeugt, dass sie die Liebe ihres Lebens gefunden hat. Deshalb zögert sie keine Minute, ihn zu begleiten, als zwei alte Bekannte Richards ihm das Angebot machen, für ein großzügiges Honorar ihre Jacht nach Kalifornien zu überführen. Die Traumreise entwickelt sich zu einem Überlebenskampf, als das Boot in einen Jahrhundert-Hurrikan gerät.

„Die Farbe des Horizonts“ basiert auf dem Erinnerungsbuch von Tami Oldham „In der Mitte des Sturms“ (2002), in dem sie von ihrer 41-tägigen Odyssee auf hoher See berichtet. Auch wenn es deshalb dem Zuschauer von vorne herein klar ist, dass Tami überleben wird, verliert Kormákurs Film nicht an Spannung. Denn die Frage, was aus Richard geworden ist, stellt sich sofort. Darüber hinaus verknüpft das Drehbuch den Überlebenskampf mitten im Pazifik mit der Liebesgeschichte, so dass der Film ständig zwischen den zwei Zeitebenen (vor dem Schiffsbruch, nach dem Schiffsbruch) hin- und herwechselt. Die Schiffbruchs-Szenen erinnern zwar sehr an J.C. Chandors „All is Lost“ (2013), sind aber dafür solide inszeniert.

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Dass der deutsche Verleihtitel verkitscht vorkommt, geht auf einen allzu romantischen Sonnenuntergang zurück, über dessen Farbe sich Tami und Richard streiten. Etwas von diesem Kitsch haftet zwar auch den Szenen auf Tahiti vor einer paradiesischen, aber etwas klischeehaft geratenen Kulisse. Der Regisseur schafft es jedoch, beide Handlungsstränge glaubwürdig miteinander zu verbinden.