DDR-Bürgerrechtler kritisiert ARD und ZDF

Aus einer Parallelwelt heraus könnten ARD und ZDF gefahrlos senden, was sie wollten, beklagt der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Arnold Vaatz. Stattdessen wünscht er sich, dass Meinungen von unten nach oben transportiert würden.

Arnold Vaatz: Öffentlich-rechtliche Sender senden aus Parallelwelt
„Die Anliegen der ostdeutschen Bevölkerung haben in der Berichterstattung von ARD und ZDF keinen Platz“, so Vaatz. Foto: Gregor Fischer (dpa)

Der frühere DDR-Bürgerrechtler Arnold Vaatz kritisiert die Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender ARD und ZDF. „Die Anliegen der ostdeutschen Bevölkerung haben in der Berichterstattung von ARD und ZDF keinen Platz“, so Vaatz. Viele Medien sendeten und schrieben konsequent an den „Antennen der Ostdeutschen“ vorbei, meint der 63-Jährige im Gespräch mit der evangelischen Nachrichtenagentur „idea“. Vaatz ist stellvertretender Vorsitzender der Unionsfraktion im Bundestag und Sprecher der CDU-Abgeordneten aus den östlichen Bundesländern.

ARD und ZDF stehen in keinem Wettbewerb und sind konkursunfähig

ARD und ZDF wirft Vaatz vor, aus einer Parallelwelt heraus gefahrlos zu senden, was sie wollten. Die Sender stünden in keinem Wettbewerb, seien staatlich subventioniert und damit konkursunfähig. In Ländern wie Polen und Tschechien sage ihm das Programm eher zu. „Da ist die Genderdebatte ein Randthema. Es dominieren nicht die Interessen von Randgruppen oder der volkspädagogische Eifer der Redaktion beim Anpreisen der Vorteile von Migration und erwünschten Verhaltensweisen.“

Zudem werde in diesen Ländern den Belangen der Mehrheitsbevölkerung und ihren Erfahrungen und Wünschen mehr Bedeutung beigemessen - „ohne einen redaktionellen Filter. Meinungen werden von unten nach oben transportiert“. Große Chancen auf Veränderung sieht Vaatz in Deutschland nicht. „Die westdeutsche Gesellschaft ist selbstbezogen und nicht bereit, sich selbst zu hinterfragen. Unsere Sozialismus-Erfahrungen sind für sie Luft.“

Heute schauen Ostdeutsche aus Verzweiflung "Russia Today"

In der DDR habe man, wo es möglich gewesen sei, Westfernsehen geschaut und Westrundfunk gehört. Das sei eine Art „innere Emigration“ gewesen. Heute schauten viele Ostdeutsche „aus Verzweiflung“ im Internet „Russia Today“, so Vaatz. Dort könne man sich zwar die „moralisierende Hyperventilation bei Stickoxiden, Feinstaub und Genderthemen vom Hals halten“, Gleichzeitig merke man aber nicht, wie man von „russischer Propaganda innerlich umgekrempelt“ werde.

Das „gespielte Erstaunen“ im Westen über die migrationskritische Stimmung im Osten, obwohl es doch dort prozentual weniger Migranten und Asylbewerber als im Westen gebe, sei ein Ausdruck von Wahrnehmungsverweigerung des Westens. Die westliche Eitelkeit wolle den „implosionsartigen Ansehensverlust“ des Westens im Osten nicht einräumen. Gerade weil einige Ostdeutsche mit eigenen Augen gesehen hätten, wie die Situation etwa im Ruhrgebiet sei, wollten sie verhindern, dass genau solche Zustände eines Tages auch bei ihnen eintreten. 

DT/mlu/idea

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