China bestätigt Existenz genmanipulierter Babys

Die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtet, dass der umstrittene Forscher He Jiankui allein und illegal gehandelt habe, um persönlichen Ruhm und Vorteile zu erlangen.

China bestätigt Geburt genetisch veränderter Babys
Mit dem unter dem Namen CRISPR/Cas9 firmierenden Molekülverbund verteidigen sich Bakterien gegen den Befall von Viren. Foto: Gregor Fischer (dpa)

Ende November vergangenen Jahres sorgte der chinesische Wissenschaftler He Jiankui von der Southern University of Science in Shenzen für Schlagzeilen, als er in einem Youtube-Video erklärte,  die ersten genetisch veränderten Babys geschaffen zu haben. Das Erbgut der Zwillingsmädchen Nana und Lulu soll mithilfe des umstrittenen Verfahrens Crispr/CAS9 HIV-resistent gemacht worden sein.

Weitere Frau soll mit genetisch verändertem Baby schwanger sein

Die chinesische Regierung hat nun bestätigt, dass die Babys tatsächlich existieren – was bis zuletzt von einigen Experten in Zweifel gezogen worden war. „Nana und Lulu sind geboren worden“, heißt es in einer Meldung der amtlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua, über den die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet. In der Mitteilung sollen die Ergebnisse der Untersuchung von Seiten der chinesischen Behörden zusammengefasst werden. Zudem soll momentan eine weitere Frau schwanger sein, deren Baby von He genetisch verändert wurde.

Die Behauptung des chinesischen Wissenschaftlers, das Genom zweier Kinder mit der CRISPR/Cas 9-Technologie verändert zu haben, sorgte weltweit für Entsetzen. Und auch die chinesische Regierung verurteilt nun offenbar das Tun des Forschers. Dem Xinhua-Bericht zufolge soll He Techniken „von zweifelhafter Sicherheit und Effizienz“ angewandt haben, um „menschliche Embryonen zum Zweck der Reproduktion genetisch zu editieren“ - ein Verfahren, das in China jedoch verboten ist.

Xinhua: he hat sich der Aufsicht durch die Unversität entzogen

Der Wissenschaftler He handelte somit illegal. Die staatliche Nachrichtenagentur verkündete zudem, dass er allein vorgegangen sei. Sein Motiv: persönlichen Ruhm und Vorteile zu erlangen, berichtet Xinhua. Sämtliche Gelder für seine Experimente habe Je alleine eingesammelt und sein Tun der Aufsicht durch die Universität im südchinesischen Shenzen entzogen. Je droht nun eine schwere Bestrafung. Bereits seit seiner Ankündigung im November lebte der Forscher unter Hausarrest.

Mit dem unter dem Namen CRISPR/Cas9 firmierenden Molekülverbund verteidigen sich Bakterien gegen den Befall von Viren (genauer: Bakteriophagen). Bakteriophagen benötigen – mangels eines eigenen Stoffwechsels – einen Wirt, um sich zu vermehren. Dazu „kapern“ sie ein Bakterium, schleusen ihre DNA in die Wirtszelle ein und „zwingen“ sie, statt der Bakterien- die Phagen-DNA zu replizieren.

CRISPR steht für "Clustered Regulary Interspaced Short Palindromic Repeat"

CRISPR ist ein Akronym und steht für „Clustered Regulary Interspaced Short Palindromic Repeat“. Die Archivierung der abgelegten Phagen-DNA erlaubt es den Bakterien, einmal besiegte Angreifer im Falle eines neuen Angriffs wiederzuerkennen und ein Protein (Cas9) herzustellen, das die Phagen-DNA aus der eigenen herausschneidet.

DT/mlu

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