Berlin: Gedenken an die Schoah

In der Berliner Philharmonie wird "Das Leiden der Unschuldigen" aufgeführt, eine Symphonie von Kiko Argüello, dem Gründer der katholischen Gemeinschaft des "Neokatechumenalen Weges". Zahlreiche Vertreter aus Kirche und Judentum gedachten dabei der Schoah, die in Berlin geplant wurde.

Gedenken an die Schoah
Berlins Erzbischof Heiner Koch zeigte sich sehr bewegt. Foto: Andreas Stempel, Neokatechumenaler Weg Deutschland.

Papst Franziskus hat zum steten Gedenken an den Holocaust gemahnt. "Nie darf die Erinnerung an die grauenvolle Gewalt, an das unsagbare Leid und die Vernichtung eines Volkes verstummen", heißt es in einem Grußwort zu der Symphonie "Das Leiden der Unschuldigen", die am Sonntagabend in Berlin aufgeführt wurde. "Sie ist vielmehr eine stete Mahnung an uns alle, uns für die Versöhnung, das gegenseitige Verständnis und die Liebe gegenüber den 'älteren Brüdern', den Juden, einzusetzen."

Das vom vatikanischen Chefdiplomaten, Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, unterzeichnete Schreiben wurde in der Berliner Philharmonie verlesen. Dort war die Symphonie erstmals in der Bundeshauptstadt zu hören. Komponiert hat sie im Jahr 2010 der Spanier Kiko Argüello (79), der Gründer der weltweiten katholischen Gemeinschaft des "Neokatechumenalen Weges". Wie Argüello erklärte, nahm er in fünf Sätzen Motive aus der Leidensgeschichte Jesu Christi auf und stellte dabei die Gemeinsamkeiten von Juden- und Christentum heraus. Das Werk sei besonders den Opfern des Holocaust gewidmet.

In dem Grußwort bekundete der Papst seine Freude über die Aufführung, an der Argüello persönlich teilnahm. "Verwurzelt in der Tradition und inspiriert von den biblischen Klageliedern gedenkt die Symphonie der vielen Opfer der Schoah", lobte Franziskus. Zu Gehör gebracht wurde das Werk von mehr als 200 professionellen Instrumentalmusikern und Sängern, die dem Neokatechumenalen Weg angehören. Einen kurzen Gesangspart übernahm Argüello selbst. Die Leitung hatte der tschechische Dirigent Tomas Hanus.

Das Konzert war mit gottesdienstlichen Elementen von Christen und Juden verbunden. So sang einer der elf anwesenden Rabbiner, Zsolt Balla aus Leipzig, das jüdische Totengebet für die Opfer des Holocaust. Der Darmstädter Rabbiner Jehoschua Ahrens nannte die Komposition einen "Ausdruck von Liebe und Respekt dem Judentum gegenüber". Der Neokatechumenale Weg stehe für "einen Dialog mit dem Judentum auf Augenhöhe".

Unter den Kirchenvertretern waren die emeritierten Kardinäle Paul Josef Cordes (Rom) und Antonio Maria Rouco Varela (Madrid). Cordes warnte davor, "einen neu aufkommenden Antisemitismus zu überhören". Der Berliner Erzbischof Heiner Koch sagte, das Konzert sei "Verkündigung in der Musik". Die Symphonie sei in einer Stadt erklungen, "in der die Vernichtung des jüdischen Volkes beschlossen und bis ins kleinste Detail geplant wurde".

KNA / DT (jbj)