Auf Billers Metaebene

Der Schriftsteller Maxim Biller hat die Kampfzone ausgeweitet, meint Mathias Mattussek, denn auch Linke und Liberale sind in seinem Fadenkreuz aufgetaucht.

Maxim Biller hat die Kampfzone ausgeweitet
In einem grandiosen Slalomlauf für die „Welt“ nennt Maxim Biller Ross und Reiter und Klarnamen all jener, die ihm möglicherweise Unrecht antaten, meint Matthias Mattussek. Foto: Arne Dedert (dpa)

Nichts ist lustiger in diesen Tagen, als sich mit den Diskursen, Aporien und Sackgassen aus dem Paralleluniversum der Feuilletons zu beschäftigen. Das entdeckte ich auf einer gemeinsamen Bahnfahrt mit einem Freund von Köln nach Hause – ich nach Hamburg, er nach Berlin, wobei er Glück hatte, denn er konnte im Zug sitzen bleiben, während ich, aufgrund der mittlerweile typischen Verspätungen (20 Minuten außerplanmäßiger Halt in Hamm, wo es einen wunderschönen Sonnenuntergang über den Gleisen zu fotografieren galt) meinen Anschlusszug verpasste. Ich war nicht der einzige.

Mattussek kennt Biller und seine Idiosynkrasien seit über 30 Jahren

Wir lasen das Feuilleton der „Welt“ – und vor allem den Aufsatz von Maxim Biller über die „Linksrechtsdeutschen“, den ich verständlicher fand als andere Artikel, da ich mich auf Billers Metaebene auskenne: Maxim ist ein alter Freund. Ich kenne ihn und seine Idiosynkrasien seit über 30 Jahren. Der Erfinder der Rubrik „100 Zeilen Hass“ der verschollenen Lifestyle-Zeitschrift „Tempo“ aus den 80er Jahren ist nun in die Jahre gekommen, aber den Hass gegen die ihn umgebende deutsche Hölle und ihre Pressevertreter hegt und schützt er wie eine Vestalin die heiligen Flamme im römischen Tempel. Der Hass ist sein Geschäftsmodell und er glaubt, einen Grund, ach: ein moralisches Anrecht auf ihn zu haben, weil er, der Jude, sich umzingelt fühlt von deutschen Nazis.

Biller nennt Ross und Reiter all jener, die ihm Unrecht antaten

Nun hat er die Kampfzone ausgeweitet, denn auch Linke und Liberale sind in seinem Fadenkreuz aufgetaucht, sind in seinem Falle „Kryptonazis“, und in einem grandiosen Slalomlauf für die „Welt“ nennt er Ross und Reiter und Klarnamen all jener, die ihm möglicherweise Unrecht antaten.
 
Wie Matthias Matussek den Essay von Maxim Biller in der „Welt“ kontert, erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe der „Tagespost“ vom 21. Februar 2019. Kostenlos erhalten Sie diese Ausgabe hier.

DT