Berlin

Die Liebe in Zeiten des Mauerbaus

Ein Liebesfilm in Gestalt und Anmutung der 1960er Jahre im Film-Milieu: Martin Schreiers „Traumfabrik“. Von José García

Garcías Filmtipp: "Traumfabrik"
Im Sommer 1961 verlieben sich die französische Tänzerin Milou (Emilia Schüle) und der junge Ostdeutsche Emil (Dennis Mojen) ineinander. Die Schließung der DDR-Grenze am 13. August trennt sie. Aber Emil gibt nicht so einfach auf. Foto: Tobis/Julia Terjung

Im Sommer 1961 läuft das DEFA-„Studio für Spielfilme“ in Potsdam-Babelsberg auf vollen Touren. In „Traumfabrik“ gibt Regisseur Martin Schreier  nach einem Drehbuch von Arend Remmers eine Kostprobe: Als Piraten, Römer, Ägypter ... gekleidete Schauspieler, ja sogar ein Kamel huschen über die Leinwand wie in einem Hollywood-Studio aus der goldenen Zeit.

Zum versprochenen Rendezvous am 13. August kann Milou nicht erscheinen

Emil Hellwerk (Dennis Mojen) ist gerade aus der Armee entlassen, und sucht hier mit Hilfe seines Bruders Alex (Ken Duken) Arbeit. Als Komparse verliebt er sich Hals über Kopf in die französische Tänzerin Milou (Emilia Schüle). Zum versprochenen Rendezvous am 13. August kann aber Milou nicht erscheinen, denn die DDR hat in der Nacht ihre Grenzen geschlossen. Auf der Glienicker Brücke wird der aus einem Westberliner Hotel kommenden Milou von bewaffneten Soldaten die Weiterfahrt in Richtung Babelsberg verwehrt. Obwohl sie dann nach Paris zurückfährt, gibt Emil nicht auf. Er schmiedet einen spektakulären Plan, um seine große Liebe wiederzusehen.

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Die Filmemacher gestalten „Traumfabrik“ als großen, klassischen Liebesfilm in opulenter Kulisse, die Kameramann Martin Schlecht in Cinemascope und in bunten, ja fast blendenden Farben ausleuchtet. Zusammen mit der teilweise majestätischen Musik spiegeln die Bilder nicht nur die Gefühle der Protagonisten wider. Darüber hinaus vermitteln sie das Gefühl einer verschönerten Wirklichkeit, die mit dem Filmtitel „Traumfabrik“ korrespondiert.

Eine Seltenheit im deutschen Film

Dass der Film nicht unbedingt die Realität des Jahres 1961 wiedergeben muss, sondern diese vielleicht durch den Weichzeichner verfremdet wird, hängt auch damit zusammen, dass die Liebesgeschichte im Grunde eine einzige Rückblende darstellt, die Opa Emil (Michael Gwisdek) seinem kleinen Enkel erzählt. Regisseur Martin Schreier erzählt eine teils turbulente, teils witzige Liebesgeschichte nicht nur in der Gestalt, sondern auch in der Anmutung der großen Liebesfilme aus dem klassischen Hollywood. Eine Seltenheit im deutschen Film. Allein deshalb lohnt der Kinobesuch.

DT

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