Berlin

Russische Spionin wollte den Frieden wahren

Theaterregisseur Trevor Nunn inszeniert den Spionagethriller „Geheimnis eines Lebens“ trotz des spannenden Sujets eher behäbig. Von José García

Garcías Filmtipp: "Geheimnis eines Lebens"
Die 85-jährige Joan Stanley (Judi Dench) wird im Jahre 1999 verhaftet. Denn sie soll Jahrzehnte lang für den KGB spioniert haben. Ihr Sohn Nick (Ben Miles) übernimmt ihre Verteidigung. Foto: entertainment One

Basierend auf dem Roman, „Geheimnis eines Lebens“ (Originaltitel: „Red Joan“) von Jennie Rooney schildert der gleichnamige Spielfilm die Lebensgeschichte der englischen Sekretärin Melita Norwood (im Film Joan Stanley), die mehr als 40 Jahre lang für russische Geheimdienste arbeitete und erst 1999 entlarvt wurde.

In Rückblenden entfaltet sich die jahrzehntelange Spionage-Karriere der 85-Jährigen

Damit beginnt denn auch der Spionagethriller: Die etwa 85-jährige Joan Stanley (Judi Dench) lebt in einem Londoner Vorort, in dem sie ihr unauffälliges Rentnerdasein verbringt, als sie plötzlich vom MI5 festgenommen wird. Denn sie soll Geheimnisse an die Russen verraten haben. Ihre fast ein halbes Jahrhundert andauernde Karriere als russische Informantin kommt in Rückblenden zum Vorschein: Im Jahre 1938 studiert Joan (nun von Sophie Cookson dargestellt) in Cambridge Physik. Sie verliebt sich in den ebenso attraktiven wie manipulativen Kommunisten Leo Galich (Tom Hughes). Wenige Jahre später arbeitet sie während des Zweiten Weltkriegs für ein geheimes Nuklear-Forschungsprojekt. Sie erkennt, dass die Welt im Kräftemessen zwischen Ost und West kurz vor der gegenseitigen Zerstörung steht. Deshalb lässt sie sich vom KGB rekrutieren. Muss sie, um ihre Liebe und den Frieden zu retten, ihr Land verraten?

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Das Verhör, bei dem Jean Stanley ihr Sohn Nick (Ben Miles) als Anwalt beisteht, bildet eine Art Rahmenhandlung für das in Rückblenden nacherzählte Spionageleben Jeans. Auch wenn Regisseur Trevor Nunn in einigen Szenen eine Thriller-mäßige Anspannung erzeugt, inszeniert er dieses an sich spannende Leben eher einfallslos und dröge.

Die großartige Schauspielerin Judi Dench reicht nicht aus

Die großartige Schauspielerin Judi Dench reicht nicht aus, um durch das routinierte Abhaken des Lebenslaufs der wohl am längsten arbeitenden russischen Spionin etwas Licht in die tieferen Gründe zu bringen, warum Jean Stanley als junge Frau diese Entscheidung traf. Zumal Judi Dench kaum Leinwandzeit bekommt. Denn die meiste Zeit wird die Spionin ja von der jüngeren Sophie Cookson dargestellt.

DT

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