Berlin

Mit der eigenen Schuld hadern

Ein iranischer Film über Schuld und Sühne, der Einiges über die iranische Gesellschaft verrät: „Eine moralische Entscheidung“. Von José García

Eine moralische Entscheidung
Gerichtsmediziner Dr. Nariman (Amir Agha´ee, rechts) macht sich Vorwürfe, als nach einem Verkehrsunfall der achtjährige Sohn Moosa (Navid Mohammadzadeh) stirbt. Hätte er mehr tun können, als Moosa Geld fürs Krankenhaus anzubieten? Foto: Noori Pictures

Dr. Kaveh Nariman (Amir Agha´ee) wird im nächtlichen Verkehr von einem überholenden Auto abgedrängt. Dabei rammt er ein Motorrad mit einer vierköpfigen Familie. Eltern und Tochter sind unverletzt, aber der achtjährige Amir ist hart auf den Boden aufgeschlagen. Gerichtsmediziner Dr. Nariman möchte sichergehen, dass der Junge keine schweren Verletzungen davon getragen hat. Deshalb bietet er dem Vater des Jungen Moosa (Navid Mohammadzadeh) Geld an, damit er dessen Sohn ins Krankenhaus bringt. Am nächsten Tag wird der Junge in Narimans Klinik zur Autopsie eingeliefert. Dr. Nariman glaubt, schuld am Tod Amirs zu sein. Allerdings stellt seine Kollegin Dr. Sayeh Bahbahani (Hediyeh Tehrani) eine Lebensmittelvergiftung als Ursache fest. Hat Moosa verdorbenes Fleisch nach Hause mitgebracht? Seine Frau Leila (Zakiyeh Behbahani) macht ihm schwere Vorwürfe.

Gerichtsmediziner von Gewissensbissen gequält

Regisseur Vahid Jalilvand und sein Mit-Drehbuchautor Ali Zarnegar stellen viele Fragen über die Konsequenzen der eigenen Handlungen. Dr. Nariman hadert mit einer Entscheidung, die eigentlich richtig war – hätte er sich aber nicht außerdem vergewissern sollen, dass der Junge wirklich ins Krankenhaus kam? Amir Agha´ee spielt den Gerichtsmediziner als einen von Gewissensbissen gequälten Mann. Sowohl der Arzt als auch der Vater des Jungen suchen verbissen nach einer Erklärung, ob sie am Tod des Jungen schuld sind.

Sehen Sie den Trailer zum Film hier.

Die Kamera verfolgt die beiden parallel: Sucht der Gerichtsmediziner überall im Internet, um sich über die Todesursache zu informieren, so macht sich der Vater des Jungen auf den Weg zu dem, der ihm das verdorbene Fleisch verkauft hat. Der Film bietet darüber hinaus insofern einen Einblick in die iranische Gesellschaft, als die beiden nicht nur mit der Krankenhausverwaltung, sondern auch mit der Polizei und mit dem Gericht zu tun bekommen.

Möglicher Oscar-Kandidat

„Eine moralische Entscheidung“ wurde vom Iran offiziell als Kandidat für den nicht-englischsprachigen Oscar vorgeschlagen.

DT (jobo)

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