Berlin

Versöhnung geht durch den Magen

"Ramen Shop" erzählt von kulinarischen Künsten, aber auch von Vergangenheitsbewältigung in einer berührenden Familiengeschichte.

Ramen Shop
Der junge japanische Koch Masato (Takumi Saitoh) reist nach Singapur, um etwas über die Liebesgeschichte seiner Eltern zu erfahren. Dabei wird er von der dort lebenden japanischen Bloggerin Miki (Seiko Matsuda) unterstützt. Foto: Neue Visionen

Der junge Masato (Takumi Saitoh) arbeitet als Koch in der traditionellen Suppenküche seines strengen und emotionskargen Vaters in der japanischen Kleinstadt Takasaki. Seine Spezialität ist die sogenannte Ramen-Nudel-Suppe. Als sein Vater plötzlich stirbt, entdeckt Masato einen Koffer voller Andenken sowie ein rotes Notizbuch mit Fotos. Sie gehörten einst seiner Mutter, die aus Singapur stammte und starb, als Masato erst zehn Jahre alt war. Der junge Koch macht sich auf den Weg in die Heimat seiner Mutter. In Singapur lernt Masato die japanische Food-Bloggerin Miki (Seiko Matsuda) persönlich kennen, deren Blog er in Japan regelmäßig besuchte. Sie hilft ihm, der Liebesgeschichte seiner Eltern nachzuspüren. Für Masato beginnt eine Reise in die Vergangenheit, die gleichzeitig auch eine kulinarische Reise ist. Nimmt ihn sein Onkel Ah Wee (Mark Lee) freudig auf, der sich sogar bereit erklärt, den Neffen in die Geheimnisse der Schweinerippchen-Suppe einzuführen, so trifft Masato bei seiner Großmutter Madam Lee (Beatrice Chien) auf Ablehnung.

Sehen Sie den Trailer zum Film hier.

„Ramen Shop“ erzählt auf zwei verschiedenen Zeitebenen. Dadurch, dass die in der Vergangenheit liegende Handlung die Liebesgeschichte von Masatos Eltern erzählt, erinnert der Film von Eric Khoo sehr an Zhang Yimous „Heimweg (2000)“. Allerdings unterscheiden sich bei „Ramen Shop“ die zwei miteinander verknüpften Handlungen visuell nicht so sehr wie in Zhang Yimous Film. Regisseur Eric Khoo stellt einerseits die kulinarischen Genüsse in den Mittelpunkt: Dauernd wird gekocht, mit Kochkünsten experimentiert, aber auch gegessen. Nicht von ungefähr nahm der Film an der Berlinale-Sektion „kulinarisches Kino“ teil. Eric Khoo erzählt aber auch von einer schwierigen Vergangenheitsbewältigung. Auch wenn dieser Erzählungsstrang allzu sehr „gezuckert“ wird, berührt die Versöhnung nach jahrzehntelangem Hadern einer älteren Frau mit der Lebensentscheidung ihrer Tochter  – eine Versöhnung, die ebenfalls durch den Magen geht.

DT (jobo)

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