Berlin

Eine besondere Art, ins Leben zurückzufinden

Basierend auf realen Geschehnissen erzählt „Willkommen in Marwen“ von einem Mann, der in einer virtuellen Welt die Vergangenheit verarbeitet. Von José García

Garcías Filmtipp: Willkommen in Marwen
Nach einem brutalen Angriff verlor Mark Hogancamp (Steve Carell) sein Gedächtnis. Um das Geschehen zu verarbeiten, baut er mit den Puppen, die er bei Roberta (Merritt Wever) kauft, die virtuelle Welt „Marwen“ als Nachbildung einer belgischen Stadt auf. Foto: Universal

In einer als Modell aufgebauten, fiktiven belgischen Stadt liefern sich animierte Puppen eine Schlacht: Zweiter-Weltkrieg-Pilot Captain Hogie, der zu seinem Uniform Frauenschuhe trägt, wird von deutschen Soldaten angegriffen und von einer Reihe Frauen verteidigt. Captain Hogie ist der Alter Ego des Künstlers Mark Hogancamp (Steve Carell), der in der Miniaturwelt von „Marwen“ die inneren und äußeren Verletzungen aufzuarbeiten sucht, die er als Opfer eines brutalen Angriffes davon trug. Nach dieser Aggression verlor Hogancamp seine Erinnerungen, weswegen er sich mit ganz wenigen Ausnahmen von der realen Welt abschottet und in die virtuelle Welt von Marwen zurückzieht.

Immer wieder wird Hogancamp von Erinnerungen an die Nacht des Angriffs heimgesucht

Immer wieder wird Hogancamp von den bruchstückhaften Erinnerungen an die Nacht des Angriffs heimgesucht, weswegen er große Angst davor hat, beim bevorstehenden Gerichtstermin seinen Peinigern gegenüberzusitzen. Erst als in seine Nachbarschaft die bezaubernde Nicol (Leslie Mann) einzieht, traut sich Mark erstmals auch ohne seine Puppen vor die Tür.

Sehen Sie hier den Trailer zum Film.

Der Spielfilm „Willkommen in Marwen“ von Regisseur Robert Zemeckis, der mit der „Zurück in die Zukunft“-Reihe und mit „Forrest Gump“ große Erfolge feierte, und seiner Mitautorin Caroline Thompson basiert auf der wahren Geschichte des Künstlers Mark Hogancamp. Zemeckis konzentriert sich weniger auf die Kunstaspekte – Mark Hogancamp fotografiert das mit den Puppen inszeniere Kriegsgeschehen in Marwen ab, und stellt die Fotos in der One Mile Gallery in Kingston, New York aus – als auf Marks Schicksal und seine Bemühungen, ins Leben zurückzufinden.

Animation der Marwen-Welt gelungen, hemmt jedoch manchmal die Handlung

Die Animation der Marwen-Welt im Allgemeinen und der Puppen im Besonderen ist zwar sehr gelungen, hemmt jedoch hin und wieder die Handlung. Darüber hinaus fällt es zunächst dem Zuschauer nicht leicht, Sympathie für jemand zu empfinden, der Damen-Stöckelschuhe sammelt. Dennoch: Nach und nach, auch dank der großartigen Arbeit des Hauptdarstellers Steve Carell, gewinnt der anthropologisch positive Aspekt des Kampfes um die Rückkehr zum Leben die Oberhand.

DT

Die Hintergründe zu diesem Thema finden Sie in der Wochenausgabe der Tagespost. Kostenlos erhalten Sie die Zeitung hier.