Paris

Geburtsstunde eines Theaterklassikers

„Vorhang auf für Cyrano“ zeigt auf komödiantische Weise die Entstehung des klassischen Stücks aus Zeit- und Geldnot heraus. Von José García

"Vorhang auf für Cyrano"
Der Autor und seine Geldgeber: Edmond Rostand (Thomas Solivérès) bei den Proben für die Uraufführung seines „Cyrano de Bergerac“. Wegen eines enormen Zeitdrucks muss er die Handlung im Lauf der Proben nach und nach entwickeln. Foto: Prokino

Paris 1885. Edmond Rostand (Thomas Solivérès) hat gerade auf den Brettern, die die Welt bedeuten, ein richtiges Fiasko erlebt. Außerdem wird Edmond ganz pessimistisch, wenn er an die Erfindung der Brüder Lumière denkt: „Bald gibt es keine Theater, nur noch bewegte Bilder.“ Zwei Jahre später hat Rostand nichts Neues zu Papier gebracht, und dem 29-jährigen Familienvater droht das Geld auszugehen.

Der Autor stößt auf den Schriftsteller Cyrano de Bergerac

Da trifft es sich gut, dass seine Gönnerin, die große Schauspielerin Sarah Bernhardt (Clémentine Célarié) ihn mit dem berühmten Schauspieler Constant Coquelin (Olivier Gourmet) bekannt macht. Weil Coquelins Geldgeber dessen Theater schließen wollen, sollte Coquelin in den nächsten drei Wochen kein Erfolgsstück auf die Bühne zaubern, steht Edmond unter Druck. Der Autor stößt auf den Schriftsteller Cyrano de Bergerac aus dem 17. Jahrhundert. Über den Inhalt des Stücks hat er aber keinen blassen Schimmer.

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Da liefert ihm das Leben den Stoff: Sein Freund, der gut aussehende Schauspieler Léo Volny (Tom Leeb), möchte die schöne Jeanne (Lucie Boujenah) erobern, kann seinen Gefühlen aber keinen richtigen Ausdruck verleihen. Da springt Edmond ein, und spricht im Schatten eines Balkons an Léos Stelle flammende Verse für Jeanne.

"Cyrano de Bergerac" gehört zu den Klassikern des französischen Theaters

„Cyrano de Bergerac“ gehört zu den Klassikern des französischen Theaters. Die Verfilmung von Jean-Paul Rappeneau mit Gérard Depardieu aus dem Jahre 1990 ist ebenfalls zum Klassiker avanciert und wurde von manchem Kritiker gar als besser als das Theaterstück bezeichnet. Wohlweislich versucht Regisseur Alexis Michalik, keine Neuinterpretation des Stücks zu bieten. Er liefert eine vergnügliche Parallele zwischen dem Leben und der Fiktion, aber auch zwischen Theater und Film.

Dafür spricht etwa die letzte Szene zwischen Cyrano und Roxanne: Sie beginnt auf der Bühne, setzt sich nach einem Schnitt als Film-Außenaufnahme fort, um erneut im Theater zu enden. Diese einzige ganz gespielte Szene aus dem Theaterstück macht übrigens ganz neugierig auf ein „Cyrano“ mit dem wallonischen Schauspieler Olivier Gourmet in der Hauptrolle.

DT

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