Wallfahrtskirche Maria Birnbaum - Ein Hauch Byzanz im Bayernland

Die Wallfahrtskirche Maria Birnbaum am Sieben-Klöster-Weg beeindruckt nicht nur durch ihre Architektur. Gnadenbild und idyllische Lage locken Pilger und Naturfreunde gleichermaßen. Von Claudia Fuchs

Wallfahrtskirche Maria Birnbaum

Die Wallfahrtskirche Maria Birnbaum am Sieben-Klöster-Weg beeindruckt nicht nur durch ihre Architektur. Gnadenbild und idyllische Lage locken Pilger und Naturfreunde gleichermaßen. Von Claudia Fuchs

Nahezu wie ein ostkirchliches, ja byzantinisches Kirchenensemble mutet der markante Sakralbau im oberbayerischen Ecknachtal auf einer Anhöhe südlich von Sielenbach an. Die Wallfahrtskirche Maria Birnbaum mit ihren sechs Ovalräumen samt Kuppeln und Türmchen fasziniert aber keineswegs nur mit ihrer in der Gegend einzigartigen Architektur, sondern auch mit ihrer Entstehungsgeschichte.

Die Geschichte der Wallfahrtskirche Maria Birnbaum

Diese beginnt etwa 300 Meter von der heutigen Wallfahrtskirche entfernt. Auf Schloss Stuntzberg, dem Adelssitz derer von Weychs, lebte im Mittelalter eine sehr fromme Dame, die um 1600 in ihrem Weinberg eine kleine Pieta – eine Darstellung der trauernden Maria mit dem Leichnam ihres Sohnes Jesus Christus im Schoß – aufstellen ließ. Zu ihrer ganz persönlichen Andacht.

Doch nur wenig später, im Dreißigjährigen Krieg, zerstörten die Schweden das Schloss, zündeten den Weinberg an und warfen die Pieta achtlos in das Jochmoos am Fuße des Hügels. Der Dorfhirte Johann Vogl war es, der die halb verbrannte und vermoderte Figur wiederfand und ihr in dem ausgebrannten Stamm eines Birnbaumes an der Straße eine neue Heimat schenkte.

Zwei erste Wunder

1659 geschah das erste Wunder: Eine Frau aus Südtirol hatte aufgrund „ihrer Hysterie und eines großen Leibschadens ihres Sohnes“ schon vergeblich alle „vornehmen“ Wallfahrten wie Andechs, Ettal oder Klosterlechfeld aufgesucht. Im Traum erschien ihr das Bildnis der Pieta im Birnbaum, und sie folgte sogleich der Aufforderung, es im „Baierland“ zu suchen. Kaum dass sie dort betete, war sie auch schon geheilt. Ihr Sohn ebenfalls.

Und als nur ein Jahr später die taubstumme Magdalena Schnader aus Ziemetshausen vor dem Marienbildnis ihre Sprache wiederfand, kamen die Pilger in Scharen von nah und fern zu „Unserer Lieben Fraw im Pürnbaum“.

Die Errichtung der Wallfahrtskirche durch einen Deutsch-Ordens-Ritter

1661 gab der Komtur der im nahen Blumenthal angesiedelten Deutsch-Ordens-Ritter, Philipp Jakob von Kaltenthal, die Errichtung der heutigen Wallfahrtskirche in Auftrag. Dabei hatte er mit erheblichem Widerstand zu kämpfen: Da sich keine Geldgeber fanden, musste er sein Privatvermögen einsetzen.

Daneben waren es die „kleinen Bürger“, die unentgeltlich ihrer Hände Kraft zur Verfügung stellten. Baumeister war schließlich der Münchener Constantin Pader, der Stuck stammte von Matthias Schmutzer aus Wessobrunn. Der Birnbaum wurde schlichtweg umbaut.

Sieben Jahre später, am 14. Oktober 1668, weihte der Freisinger Weihbischof Kaspar Kühner den Kirchenneubau feierlich ein. Zunächst übernahmen Geistliche von Sielenbach und Klingen die Seelsorge, ab 1670 bis zur Säkularisation Priester des Deutschen Ordens.

Und von verschiedenen Renovierungen abgesehen, trotzte Maria Birnbaum, die erste Kuppelkirche nördlich der Alpen, allen Kriegen und Gefahren. Bis heute.

Der Innenraum der Kirche

Betritt man den Innenraum, so wird der Blick sofort nach ganz oben gezogen: mitten in eine große kreisrunde Öffnung hinein, aus der barocke Apostelfiguren grüßen und geradezu liebevoll auf die Pilger herabblicken, so, als wollten sie diese beten lehren.

Kunstgeschichtlich gesehen gelten solche mächtigen Kreisrotunden (diese hier in Maria Birnbaum ist dem römischen Pantheon nachempfunden) und Kuppeln meist als Zeichen für den Himmel. Die „Idealform“ des Kreises wird oft aber auch mit den vorbildlichen Eigenschaften der Gottesmutter in Verbindung gebracht, gerade in Marienwallfahrtsbauten, so beispielsweise auch im bayerischen Klosterlechfeld, in Mariabrunn bei Dachau oder in Maria Hilf in Amberg.

Der Gesamtkirchenraum der Wallfahrt Maria Birnbaum selbst wirkt überaus harmonisch und einheitlich, trotz der Formenvielfalt. Im Osten des achteckigen Langhauses schließt sich der Altarraum an.

Der schwarz-golden gefasste Hauptaltar zeigt die Kreuzabnahme Christi, während die vier Seitenaltäre Bildnisse der „Stigmatisierung des hl. Franziskus“, der „Rast der hl. Familie auf der Flucht nach Ägypten“ sowie Bilder der Heiligen Barbara und Georg zieren.

Lebendiges Symbol eines fest verwurzelten Glaubens

Zahlreiche prächtige Votivbilder bezeugen das große Vertrauen der Menschen, die hier in der Wallfahrtskirche ihre Sorgen und Nöte zu Maria gebracht haben. Nicht von ungefähr ist die Wallfahrt den Sieben Schmerzen Mariens geweiht. Hinter dem Hochaltar ist noch immer der knorrige Stamm des 1671 abgestorbenen Birnbaums zu bestaunen. Votivtäfelchen umrahmen ihn.

Pieta und Jesu
Die Pieta in der Wallfahrtskirche Maria Birnbaum in Sielenbach am 15. August 2010. Foto: Katharina Ebel

Von vorne betrachtet zieht unter dem Hauptaltarblatt die kleine Pieta sofort alle Blicke auf sich: Eingebettet in das gut erkennbare Holz des Baumes, umgeben von einem goldenen Strahlenkranz, hält sie schmerzhaft und würdevoll zugleich den Leichnam Jesu im Schoß. Eine Kopie dieser Pieta, ebenfalls aus dem Holz des Birnbaumes geschnitzt, befindet sich seit 1931 im Bayerischen Nationalmuseum in München.

Der Sieben-Klöster-Weg

Maria Birnbaum lockt aber heutzutage nicht nur Pilger an, die Wallfahrt ist auch eine der Stationen des sogenannten Sieben-Klöster-Weges, eines Radwegs, der sieben bestehende oder ehemalige Klöster im Dachauer- und Wittelsbacher Land miteinander verbindet.

Entlang dieser Route werden jeweils der historische Hintergrund, der jeweilige Bezug zur Kunstgeschichte und zum geistlichen Leben des Klosters dargestellt. An vielen Klosterstandorten gibt es auch Bildungshäuser, Orte sozialer Integration oder Museen. Anliegen der Initiatoren ist es, auf die Klöster aufmerksam und diese erneut „erfahrbar“ zu machen. Die Tour führt auch an zahlreichen Wirtshäusern, Klostergaststätten, Cafés und Biergärten vorbei.

Der Deutsche Orden sorgt für eine lebendige Wallfahrt

Seit 1999 ist es erneut der Deutsche Orden, der sich der Seelsorge in Maria Birnbaum annimmt. Seit 2001 befindet sich hier zudem das Noviziat der Deutschen Provinz. Den Ordenspriestern ist es denn auch zu verdanken, dass die Wallfahrt lebendig ist und sich großer Beliebtheit erfreut, wie nicht nur die vielen positiven Rückmeldungen – persönlich oder im Internet – nahelegen.

Und so gilt das imposante Gotteshaus noch heute als Wahrzeichen der Gemeinde Sielenbach und als Symbol eines im wahrsten Sinne „stark verwurzelten“ Glaubens.