Heilung ohne Kreuz?

Yoga – Religions-neutrales Gesundheitstraining? Paul Josef Kardinal Cordes sieht asiatische Wellnessangebote kritisch. Von Stefan Meetschen

Weltyogatag - New York
Beim Yoga ist der Blick auf die Welt etwas anders – das Heilsversprechen kann diese fernöstliche Form der Gymnastik jedoch nicht einlösen. Unser Bild zeigt eine Szene des Weltyogatags im Juni in New York. Foto: dpa
Weltyogatag - New York
Beim Yoga ist der Blick auf die Welt etwas anders – das Heilsversprechen kann diese fernöstliche Form der Gymnastik jedo... Foto: dpa

In der Kirche gibt es viele Baustellen. Nicht nur eine rasant zunehmende interne Glaubensverdunstung ist zu beklagen, auch ein naiver Umgang mit alternativen Heilmethoden lässt sich beobachten, wenn man etwa das Angebot mancher Katholischer Bildungshäuser betrachtet oder die Leichtgläubigkeit von katholischen Privatpersonen, die meinen, dass sich fernöstliche Übungen kongenial mit katholischer Frömmigkeit verbinden lassen.

Paul Josef Kardinal Cordes sieht solche Entwicklungen kritisch. In seinem aktuell erschienenen Buch „Yoga – Ein religions-neutrales Gesundheitstraining“ klopft der ehemalige Präsident des Päpstlichen Rates „Cor Unum“ einige der im Westen grassierenden alternativen „Wellnessangebote und ihre Meditationsformen“ ab und kommt zu dem Ergebnis, dass derartige „Gesundheitshilfen“ zwar „nicht alle gleich bei ersten Berührungen ihre weltanschaulichen Wurzeln“ zeigen würden, aber „früher oder später treten sie hervor“. Weshalb ihre Anwendung eben keinesfalls unproblematisch sei, sondern ein Einlassen auf religiöse Sphären, die auf längere Sicht durchaus schädlich sein können. Zumindest verwirrend.

Denn, egal ob Zen-Buddhismus, Reiki oder New Age – all diesen Techniken liegt wohl, wenn man der nüchternen Studie glauben kann, eine geistige Weltanschauung zugrunde, die den Menschen abkapsle vom Du und von Gott. „Sei dein eigener Retter! Ich-Verkapselung und Egozentrik sind nicht nur unvermeidbar, sie sind sogar geboten. Der Weg wird bestimmt durch Isolation, Beziehungslosigkeit, Apathie – wie es das buddhistische Ideal aufzeigt.“ So laute die falsche Devise.

Setze das Christentum auf Erlösung durch Gott und die heilende Gemeinschaft mit dem Du, so bieten die „asiatischen Heilsofferten“ einen völlig anderen Weg: „Das Individuum erlischt im Ozean der Entgrenzung.“ Und: „Das Göttliche oder gar ein personaler Gott sind gegen die Sakralisierung des menschlichen Ich ausgetauscht. Dieses kann angeblich kraft verborgener Energien zur Einheit mit Natur und Kosmos gelangen. Eine neue Stufe der Fülle würde erreicht: Ihm eröffneten sich Reinkarnation, Transformation und Evolution.“

Für Sünde und Kreuz, Erlösung und Heil im christlichen Verständnis findet man in dieser Neognosis keine Räume. Ein Befund, der sich auch auf zwei inzwischen klassische Vatikan-Dokumente stützen kann: das „Schreiben an die Bischöfe der katholischen Kirche über einige Aspekte der christlichen Meditation“ aus dem Jahr 1989 und „Jesus Christus – Bringer des Wassers des Lebens“, in denen – wie Cordes erläutert – sehr genau differenziert wird zwischen der christlichen Heilsbotschaft und den Angeboten der Gnosis und des New Age, Yoga und Zen-Buddhismus.

Als Leser kann man sich fragen, ob das heute auch noch so in Rom gesehen wird? Bald nachdem der deutsche Kardinal seinen Vortrag zu diesem Thema, auf den das schmale, schön aufgemachte Büchlein fußt, bei einem wissenschaftlichen Symposion der Hochschule des Zisterzienserstifts Heiligenkreuz im Frühjahr 2018 gehalten hatte, lud der Vatikan zu einer Konferenz ein („Unite to Cure – Wie Wissenschaft, Technologie und die Medizin des 21. Jahrhunderts Kultur und Gesellschaft beeinflussen“), bei der nicht nur der Ayurveda-Experte Deepak Chopra sein populäres Heilungswissen verbreiten durfte; US-Popstar Katy Perry („I kissed a girl“) hatte, auf dem Papst-Sessel sitzend, sogar die Gelegenheit, von ihren positiven Erfahrungen mit Transzendentaler Meditation zu berichten. Das Feld „kirchlicher ,Fehlerkultur‘“, vor dem Kardinal Cordes in seinem Buch warnt, scheint tatsächlich immer größer und bedrohlicher zu werden. Was die Lektüre umso wichtiger macht. Heil-werden durch Jesus, dafür macht sich überzeugend-unaufgeregt Cordes stark.

Paul Josef Kardinal Cordes: Yoga – Ein religions-neutrales Gesundheitstraining? Media Maria, 2018, 59 Seiten, gebunden, ISBN 978-3-94540-

193-4, EUR 7,95